Bei Treibjagd entwischt

Wildschwein rast durch Offizin

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Berlin -

30 lange Schrecksekunden in der Marien-Apotheke im bayerischen Dillingen: Ein in Panik geratenes Wildschwein raste in die Offizin. Auf der Flucht donnerte es gegen eine Glastür im hinteren Geschäftsteil, drehte um, preschte zurück auf die Straße. Die Polizei erlegte die Bache.

Apotheker Alois Haggenmüller erzählt: „Die Szene ereignete sich gestern Nachmittag um drei. In der Offizin befanden sich zu dem Zeitpunkt zehn Mitarbeiter und vier Kunden.“ Weil er gerade eine kleine Pause machte, verpasste er das Ereignis. „Wir haben zwei Eingänge mit automatischen Glastüren, die vordere war gerade geöffnet, weil wir gelüftet haben. Alles ging sehr schnell, alle haben sich furchtbar erschrocken. Es ist ein Riesenglück, dass niemand verletzt wurde.“ Er hat Mitleid mit dem Tier, das anschließend in Panik noch in das benachbarte C&A-Geschäft lief und auf dem Weg dorthin gegen ein parkendes Auto donnerte.

Im Kleiderladen brach Panik aus, Kunden und Angestellte flüchteten auf die Kassentische oder in die oberen Stockwerke des Hauses. Die per Notruf informierte Polizei beendete den Paniklauf und tötete das mittlerweile verletzte Tier, das gegen Schaufensterscheiben geprallt war.

Haggenmüller versucht, den Zwischenfall trotz des traurigen Ausgangs mit Humor zu nehmen. „Man könnte sagen, dass das Tier in Not in die Apotheke kam.“ Helfen konnte man dieses Mal leider nicht. Auch die Frischluftzufuhr sieht er jetzt mit anderen Augen: „Ich weiß nicht, ob Lüften wirklich so gesund ist...“

Die Bache soll bei einer Treibjagd vor den Toren der Stadt geflüchtet und so in Dillingen gelandet sein. In die Apotheke raste das Tier, weil es sich möglicherweise zusätzlich erschrocken hatte, nachdem ein Passant – seinerseits überrascht – eine Kiste fallengelassen hatte.

Der Gesamtschaden in Dillingen wird auf rund 10.000 Euro geschätzt, Haggenmüller kam glimpflich davon. „Das Glas blieb zum Glück unbeschädigt, aber durch die Wucht des Aufpralls des Wildschweins wurde die Mechanik der automatischen Tür beschädigt. Den Schaden übernimmt die Versicherung. Die Dame am Telefon, die den Fall aufnahm, hat zuerst nur gelacht.“ So einen Schadensfall hatten sie noch nie.

Immer wieder verirren sich Tiere in Apotheken, so zum Beispiel im vergangenen Sommer in Australien. Ein Koala sorgte für Verwunderung und lockte eine Menge Zuschauer an. Das Tier spazierte jedoch unbeeindruckt durch die Apotheke und ließ sich von den Menschen bestaunen. Koalas sind in Australien nicht gerade selten. Doch dass die Beutelbären Apotheken besuchen, dürfte ein eher seltener Anblick sein.

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