Datenskandal bei DiGA

Gesundheits-Apps sind teuer und intransparent

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Berlin -

Die Kassen müssen seit Oktober 2020 digitale Gesundheits-Apps bezahlen. Diese sind laut einer Forschungsgruppe nicht technisch auf Sicherheit geprüft und die Preise intransparent.

Seit rund eineinhalb Jahren können Unternehmen Apps entwickeln, die sich Patienten von ihren Ärzten verschreiben lassen können. Der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte diesen Umstand eine „Weltneuheit“. Doch die Digitalisierung bringt gerade bei solch sensiblen und langlebigen Daten neue Probleme.

Die Sicherheitsforschungsgruppe „Zerforschung“ hat sich einige DiGA angesehen und rund 20.000 Patientendatensätze abfließen lassen. Zwei der untersuchten Apps sind „Novego: Depressionen bewältigen“ und „Cankado“ für Frauen mit Brustkrebs. Die Hersteller seien informiert gewesen und schlossen die Sicherheitslücke zeitnah.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft die digitalen Gesundheits-Apps (DiGA) zwar vor der Zulassung, jedoch räumt die Behörde ein, nicht auf technische Sicherheit zu prüfen. Die Behörde hat mehr als 30 der DiGA zugelassen und ermöglicht somit die Verschreibung durch Ärzte. Damit gibt es die Apps auf Rezept zu Lasten der Krankenkassen.

Kassen in Sorge

Zum Ende des vergangenen Jahres musste der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen einen ersten Bilanzbericht über die neuen DiGAs an den Deutschen Bundestag schicken. Darin wird klar, dass rund sich rund 50.000 Patienten eine solche App verschreiben ließen und zwölf Millionen Euro zu Lasten der Kassen entstanden.

Nach Informationen des NDR und WDR betrachten die Kassen die Entwicklungen aber mit Sorge, weil die Apps vor allem für jene Krankheiten entwickelt werden, die mit einer weiten Verbreitung in der Bevölkerung einhergehen: Leiden wie Adipositas, Angststörungen, Schlafstörungen oder Rückenschmerzen.

Undurchsichtige Preisgestaltung

Die Preisbildung für die DiGA ist oft unklar. Einige Apps haben den Preis nach der Zulassung durch die Kassen verzehnfacht. Im März kritisierte TK-Chef Jens Baas die freien Preise für DiGA und der Medizinexperte des AOK-Bundesverbands, Gerhard Schillinger, findet: "Die Preise sind völlig utopisch“. Ein drastisches Beispiel ist die App Elevida. Dieses Programm ist für Patienten mit multipler Sklerose gedacht und wurde vom Hersteller mit 744 Euro bereits. Nach einem Schiedsspruch wurde der Preis auf 243 Euro gekürzt. Es handelt sich nicht um einmalige Preise, sondern um Quartalspreise.

Ähnlich wie bei neuen Medikamenten kann die Preisgestaltung im ersten Zulassungsjahr frei vorgenommen werden. Jedoch müssen die DiGA nicht, wie Arzneimittel vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) geprüft werden. Das IQWiG habe bisher noch keinen Prüfauftrag für eine der Apps erhalten. Bisher seien alle Vergütungsverhandlungen zu den DiGAs, die dauerhaft in das BfArM-Verzeichnis aufgenommen worden sind, gescheitert. Das erklärte der AOK-Bundesverband.

Spitzenverband betont Achtsamkeit

Am Mittag äußerte sich auch der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SDG) zu den eingangs genannten Sicherheitslücken. Im Namen seiner Mitglieder begrüße der Verband die Zusammenarbeit mit Sicherheitsforschern. „Gleichzeitig ist Datensicherheit eine dauerhafte und immer wieder herausfordernde Aufgabe“, erklärt die SDG-Geschäftsführerin Anne Sophie Geier.

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