Paketannahme mit Überraschung

„Für DocMorris spiele ich nicht mehr Postbotin“

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Berlin -

In der Vor-Ort-Apotheke werden nicht nur Arzneimittel, sondern mitunter auch Pakete abgeholt. Denn manche Inhaberinnen und Inhaber nehmen für die Nachbarschaft auch Postsendungen entgegen. In der Feldberger Seenlandschaft wird in einer Apotheke künftig erst der Absender geprüft, bevor ein Paket im Zwischenlager verstaut wird.

Als am Samstag die Zustellerin in die Apotheke kam, hatte sie wieder Pakete dabei, die nicht für den Betrieb selbst bestimmt waren. „Wir nehmen öfter Pakete an, das mache ich gerne“, sagt Doreen Wegner. Bei einem Päckchen habe die Postbotin extra bemerkt, dass es doch schade wäre, wenn der Kunde bis Montag oder Dienstag warten müsste. Erst als die Frau die Offizin verlassen hatte, erblickte die Inhaberin der Luzin-Apotheke den Absender – und war baff.

Das Paket kam von DocMorris. „Es war unglaublich, ich war so schockiert und dachte, meine Güte, wir sind doch direkt vor Ort. Warum bestellt jemand bei DocMorris“, sagt die Apothekerin. „Wir als Paketannahmestelle für DocMorris, das ist genau mein Humor.“ Die Menschen – gerade im ländlichen Bereich – hätten nicht verstanden, wen sie unterstützten, wenn sie bei ausländischen Versendern wie DocMorris oder Shop Apotheke einkauften.

Das Paket sei gequetscht angekommen. „Und es war warm am Samstag“, so Wegner, die es fraglich findet, ob bei der Auslieferung die richtige Temperatur eingehalten worden sei. Den Empfänger kennt die Apothekerin nicht persönlich. Sie überlegt, ob sie ihn darauf anspricht, wenn er seine Online-Bestellung vor Ort bei ihr abholt. „Eigentlich müsste ich es machen.“ Am Montagmittag lag das Paket immer noch in der Apotheke.

Versandhandel gefährdet Vor-Ort-Apotheken

Wegner warnt vor den Folgen der zunehmenden Bestellungen bei ausländischen Versandapotheken. Dadurch werde der heimische Markt ruiniert. „Wir können Produkte nicht unter dem Einkaufspreis anbieten, und DocMorris & Co. heimsen noch die Daten ab und machen am Ende die Preise wieder teurer, wenn es weniger Apotheken gibt.“ Solange man gesund sei, bemerkten die Menschen nicht, was sie verlieren, wenn die Vor-Ort-Apotheke schließt. „Wir sind mehr als Arzneimittelabgabestellen. Wir fangen die Menschen auf, leiten sie weiter und betreuen sie. Wir sind halbe Psychologen.“

Für DocMorris habe sie jedenfalls das letzte Paket „ausgeliefert“. „Das sehe ich nicht ein. Ich werde auch meine Mitarbeiter dafür sensibilisieren, das nicht mehr entgegenzunehmen.“

Der erste Fall ist es übrigens nicht: In einer anderen Apotheke landete schon vor Jahren eine Lieferung des Versenders Apo-Discounter – obwohl es laut Aufdruck sogar untersagt war, die Sendung in der Nachbarschaft abzugeben.

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