FAZ: Drogerien plus Versandhandel statt Apotheken

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Berlin - Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bläst wieder einmal zum Angriff auf den Apothekenmarkt: „Ist das große Netzwerk für die Versorgung von Patienten noch zeitgemäß oder ein kostspieliges, mittelalterliches Relikt“, fragt der Autor in seinem Beitrag „Apotheken unter Druck“. Die Antwort liefert er gleich mit: Drogerien und Versandhandel sollten die Aufgabe gemeinsam übernehmen.

Das Versorgungsnetz der Apotheken sei riesig, und die damit verbundenen Kosten seien es auch, heißt es in dem Beitrag. „Ist das Apothekensystem Deutschlands seinen Preis wert? Oder wird es Zeit, dieses seit der kaiserlichen Trennung von Arzt- und Apothekenwesen existierende Versorgungssystem an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen?“

Als Experte kommt Professor Dr. Konrad Obermann von der Universität Heidelberg zu Wort. Er unterstellt dem Apothekenmarkt einen massiven Reformstau; die Kernprozesse bei der Arzneimittelversorgung seien heute fast genauso wie vor 30 Jahren. „Mehr Flexibilität und Wettbewerb, auch mit anderen potenziellen Arzneimittelanbietern wie Drogeriemärkten, Supermärkten und Versandapotheken, kann Bewegung in die starren Strukturen bringen und patientenorientierte Innovationen ermöglichen.“

Obermann ist von Hause aus Arzt, hat als Unternehmensberater (Boston Consulting) gearbeitet und als Gesundheitsökonom verschiedene Stationen absolviert (unter anderem Iges Institut). Aktuell ist er Partner bei der Unternehmensberatung Management4health, außerdem lehrt er an der Beisheim-Hochschule in Berlin und dem Mannheimer Institut für Public Health, das zur Universität Heidelberg gehört. Dort ist auch der Autor des Beitrages zu verorten: Jonas Prenißl ist freier Journalist und Research Assistant at Heidelberg Institute of Global Health.

Als zweiter Experte kommt in Prenißls Beitrag der Jurist Professor Dr. Sebastian Kluckert, Experte für Öffentliches Recht an der Universität Wuppertal, zu Wort. Er war Sachverständiger bei der Anhörung zum Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) und sieht die Rx-Preisbildung kritisch: „Die Abschottung des deutschen Marktes vor Preiskonkurrenz durch EU-ausländische Apotheken wird europarechtlich keinen Bestand haben. Fehlender Wettbewerb ist zunächst immer ein Umstand, der ein System zu teuer macht.“

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