Apotheker kritisiert FAZ und lädt zum Praktikum

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Berlin - Dr. Jochen Haas aus Wiesbaden hat mit Unverständnis auf den Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über Apotheken reagiert. Der Artikel sei skandalös, sagt der Inhaber der Brunnen Apotheke. Es müsse sich um eine „schlechte Recherche“ handeln und die Interviewten hätten keine Ahnung. Er lädt den Autor ein, sich bei ihm vor Ort ein Bild über die tatsächlichen Abläufe zu machen und sich von der Wichtigkeit einer pharmazeutischen Versorgung vor Ort überzeugen zu lassen.

Haas kann nicht verstehen, wie die FAZ zu diesem „Apothekenbild“ kommt, und will bei der Aufklärung helfen. Er hat dem Verfasser in einem Brief ein Kurzpraktikum angeboten – sogar während eines Apothekennotdienstes. „Vielleicht werden dann Ihre veröffentlichten Artikel etwas besser“, schrieb er. Dass er tatsächlich den freien Journalisten bei sich begrüßen wird, glaubt er aber nicht.

„Es ist nicht in Ordnung, dass Apotheken so an den Pranger gestellt werden“, sagt er. Den Vorschlag, das System auf Drogerien und Versandapotheken umzubauen, sei völlig realitätsfern. „Wir machen Substitution und einen guten Job“, betont Haas. Wie solle eine Drogerie diesen Bereich oder die Versorgung mit Betäubungsmitteln leisten, die nicht über das Fachpersonal verfüge, fragt er sich. Die Meinung der im Artikel zitierten Gesundheitsökonomen zeige, dass „sie nicht wissen, wie es läuft“.

Dann könnten Haas zufolge ja auch die Hausärzte abgeschafft werden. „Im Zuge der Digitalisierung reicht es doch, wenn sich Kranke an eine Video-Sprechstunde richten und falls es doch schlimmer ist, gleich ins nächste Krankhaus fahren.“ Der Apotheker ärgert sich, dass der Artikel so oberflächlich ist. Auch wenn es Apotheken geben möge, die lediglich Medikamente abgäben, könne man nicht alle über einen Kamm scheren. „Ich sage ja auch nicht, die FAZ und die Blitz Illu sind dasselbe.“ Was die FAZ mit so einer Veröffentlichung bezwecke, könne er nicht erklären. „Vielleicht gehen denen vor der Wahl die Themen aus.“

Haas will eine „sachliche Diskussion“ führen. In seinem Schreiben an die Zeitung wird er dann doch etwas emotional: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Zukunft keine Leser mehr finden, die diese schlecht recherchierten und obendrein schwachsinnige klingenden Veröffentlichungen in Ihrer Zeitung lesen müssen.“

In dem Beitrag „Apotheken unter Druck“ geht es unter anderem darum, dass Drogerien und Versandhandel die Arzneimittelversorgung gemeinsam übernehmen sollen. Das Versorgungsnetz der Apotheken sei riesig, und die damit verbundenen Kosten seien es auch. Ein genannter Experte ist Professor Dr. Konrad Obermann von der Universität Heidelberg, der dem Apothekenmarkt einen massiven Reformstau unterstellt. Der Jurist Professor Dr. Sebastian Kluckert erklärt mit Blick auf EU-ausländische Apotheken, dass fehlender Wettbewerb zunächst immer ein Umstand sei, der ein System zu teuer mache.

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