Betrieb ist nicht barrierefrei

Aus für „One-Man-Show“: Apotheke schließt

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Berlin -

Metzger, Bäcker und jetzt eine weitere Apotheke: In Ingelheim am Rhein schließt Ende des Monats die Saal-Apotheke. Inhaber Martin Schmidt geht mit 65 Jahren in Ruhestand, einen Nachfolger gibt es nicht. Denn aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit des Betriebs wäre eine Übernahme mit großen Investitionen verbunden oder gar unmöglich.

Die Saal-Apotheke in Rheinland-Pfalz wird seit 30 Jahren von Schmidt geführt. Erst Anfang des Monats feierte er Jubiläum. Ende Mai wird er seinen Betrieb für immer schließen. An eine Nachfolgersuche sei nicht zu denken gewesen, sagt er. „Ich habe hier einen Gewölbekeller mit drei Stufen am Apothekeneingang. Das ist ein k.o.-Kriterium“, sagt er.

Mit der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) wurde vor zehn Jahren die Soll-Vorschrift zur Barrierefreiheit eingeführt: Die Offizin solle barrierefrei erreichbar sein, heißt es bezogen auf Beschaffenheit, Größe und Einrichtung der Apothekenbetriebsräume. Apotheken mit einer Stufe zum Verkaufsraum mussten meist umrüsten. Doch gerade in historischen Häusern und verwinkelten Orten war für manche Inhaber:innen der Anbau einer Rampe nicht möglich. Eine Klingel musste eingebaut werden, um die Kundschaft unter Umständen auch draußen versorgen zu können. Die betroffenen Betriebe konnten sich auf den Bestandsschutz berufen, weil ihnen zuvor für diese Räumlichkeiten eine Apothekenbetriebserlaubnis erteilt worden war.

Rampe wurde nicht genehmigt

„Ich musste vor zehn Jahren eine Rampe beantragen“, sagt Schmidt. Ihm war klar, dass die Stadt dies nicht genehmigen werde. „Ich habe sie natürlich abgelehnt bekommen.“ Dass er den Bestandsschutz weitergeben könne, bezweifelt er. Natürlich sei es schade, dass seine Kund:innen jetzt die Apotheke verlieren. „Aber für die Entscheidung der Behörde kann ich nichts und auch nicht dafür, dass die Stadt nicht genug geeignete Räume bereithält.“

Zudem sei die Apotheke nach heutigem Maßstab eher klein und eigne sich nicht als Hauptapotheke. Auf einen Verkaufsbonus für die Altersvorsorge hat er gar nicht erst gehofft: „Mir war klar, dass ich für den Laden nichts kriegen werde.“

Die Apotheke sei für ihn eine „One-Man-Show“ gewesen. Mit zwei Halbtagskräften konnte er den Betrieb führen. „So macht das heute keiner mehr.“ Auch wenn ihm der Beruf des Apothekers immer Freude bereitet habe, müsse irgendwann einmal Schluss sein: Alle elf Tage Notdienst zu haben, werde er nicht vermissen.

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