„Als Selbstständiger arbeitet man bis zum Umfallen“ | APOTHEKE ADHOC
Aus für Hafen-Apotheke

„Als Selbstständiger arbeitet man bis zum Umfallen“

, Uhr
Berlin -

Keine drei Kilometer trennen die Hafen-Apotheke in Carolinensiel in Niedersachsen vom Strand. Der Standort ist betriebswirtschaftlich dank des Tourismus gut aufgestellt. Dennoch schließt die Apotheke im Oktober. Bernd Wohlgemuth führt den Betrieb seit mehr als 20 Jahren, die Hälfte davon als einziger Approbierter – jetzt könne er nicht mehr.

Die Nachfolgersuche für die Hafen-Apotheke kam für Wohlgemuth nicht in Frage. Denn es handele sich um einen Betrieb, der angesichts der Größe und der Treppe am Eingang nicht mehr den Anforderungen der Apothekenbetriebsordnung (ApBetro) entspreche. Zudem sei kaum Diskretionsabstand möglich: Vom HV-Tisch bis zur Türkante seien es nur 1,98 Meter. Während der Inhaber aufgrund des Bestandschutzes weiterhin offen haben durfte, hätte ein:e Nachfolgerin keine Chance.

Seit 1951 gibt es in dem historischen Gebäude mit teilweise Klinkerfassade eine Apotheke. 2001 übernahm Wohlgemuth den Betrieb, davor war als Angestellter dort tätig. Er kam aus der Region um Düsseldorf in den Norden, nachdem er sich in der Region zuvor als Urlauber sehr wohl gefühlt hatte. „Wir wurden hier im Dorf gut aufgenommen“, freut er sich.

Apothekensterben im Norden

Doch die Arbeit in der Apotheke habe sich verändert. „Es gibt viele Gründe für die Schließung, auch gesundheitliche gehören dazu“, sagt der 59-Jährige. Den Personalmangel spürt er schon lange: In den vergangenen zehn Jahren habe er als einziger Pharmazeut alle Dienste alleine gemacht und sei rund um die Uhr im Betrieb gewesen. „Als Selbstständiger arbeitet man bis zum Umfallen. Ich habe es mein Leben lang gerne gemacht. Jetzt kann ich es nicht mehr.“ Das Traurige sei, dass auch im Landkreis zuletzt mehrere Apotheken keine:n Nachfolger:in gefunden hätten.

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