85 Prozent mehr Alzheimer-Patienten

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Wiesbaden - Fast doppelt so viele Patienten wie vor 15 Jahren werden wegen Alzheimer im Krankenhaus behandelt. Das hat das Statistische Bundesamt anlässlich des morgigen Welt-Alzheimer-Tages ausgerechnet: 19.049 waren es im Jahr 2015. „Damit ist die Zahl der stationär behandelten Fälle in den letzten 15 Jahren insgesamt um 85 Prozent angestiegen“, berichtete Destatis-Mitarbeiter Torsten Schelhase.

Winfried Teschauer, Vorstandsmitglied der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, findet die Zahl „irreführend“. In Wahrheit würden „mindestens 50 Mal so viele“ Patienten mit Demenz in Kliniken aufgenommen. Er beruft sich auf eine Studie der Robert Bosch Stiftung. Der Grund für die Abweichung zu den Zahlen der Statistiker liege in der Diagnose, die das Krankenhaus für die Abrechnung mit den Kassen eintrage.

Nur selten sei die Demenz selbst die Hauptdiagnose, meist seien es deren Folgen. „Oberschenkelhalsbruch nach einem Sturz ist der Klassiker“, sagt Teschauer. Aber auch „alle anderen Krankheiten, die alte Menschen so haben“, von der Lungenentzündung bis zu Herzproblemen, könnten Grund für einen Krankenhausaufenthalt sein. Eingetragen – und danach von der Statistik erfasst – würde aber nur „die erlös-relevante Diagnose“, sagt Teschauer. „Dass der Patient darüber hinaus auch dement ist, wird nicht eingetragen und oft auch nicht weiter beachtet.“

Genau das sieht der Neurobiologe als Problem. Demente Patienten zeigten im Krankenhaus noch stärker als in ihrer gewohnten Umgebung „herausfordernde Verhaltensweisen“.

Solche Verhaltensweisen seien oft auch der Grund, wenn Patienten mit der Hauptdiagnose Alzheimer ins Krankenhaus kämen: Angehörige oder Pflegekräfte im Heim wüssten sich nicht mehr zu helfen und brächten Patienten „aus Hilflosigkeit“ ins Krankenhaus. Dabei sei eine Klinik „der denkbar schlechteste Ort“. Geistig gehe es den meisten nach einem Klinikaufenthalt schlechter als zuvor.

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