Zwei Jahre alte Rezepte: Apothekerin soll Abgabe nachweisen

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Berlin - Apothekerin Birigt Möllenkamp staunte nicht schlecht, als sie vor kurzem Post von Haemato erhielt. Der Reimporteur forderte einen Nachweis, dass ein bestimmtes Präparat auch tatsächlich abgegeben wurde. Es handelte sich um den Hochpreiser Ninlaro. Abgegeben hatte Möllenkamp das Präparat im April 2019 – also vor zweieinhalb Jahren.

Seine Nachfrage erklärte der Reimporteur mit der Aussage, dass Möllenkamp nicht direkt bestellt habe. An den Großhandel seien nur geringe Mengen des Zytostatikums ausgeliefert worden. Da aber das Rechenzentrum den Zwangsrabatt in Rechnung gestellt habe, brauche man nun einen entsprechenden Bezugsnachweis. „Wir benötigen diese Angaben, um unnötige Kürzungen gegenüber Ihrem Abrechnungszentrum zu vermeiden“, wurde der Importeur deutlich.

„Ich habe das fragliche Arzneimittel nur für eine Patientin abgegeben“, berichtet Möllenkamp. „Natürlich habe ich das Präparat bestellt und auch abgegeben. Das konnte ich auch relativ schnell nachweisen. Die ganzen Rechnungen müssen wir ja jahrelang aufbewahren.“

Dennoch blieb sie skeptisch und wollte den Fall näher beleuchten. „Ich wusste nicht ganz genau, in welchem zeitlichen Rahmen die Herstellerrabatte vom Rechenzentrum den Herstellern in Rechnung gestellt und von diesen beglichen werden. Auch ist einem die Höhe des Rabatts, der auf so eine einzelne Packung entfällt, gar nicht so bewusst“, erzählt die Apothekerin. „Deshalb habe ich mich an mein Rechenzentrum gewandt und um Auskunft gebeten.“ Im ersten Moment musste Möllenkamp an den Insolvenzfall Docpharm denken und befürchtete, dass eventuell auch Haemato „knapp bei Kasse“ sein könnte.

„Bei meinem Rechenzentrum geriet ich direkt an kompetente Mitarbeiter:innen, die mir den genauen zeitlichen Ablauf erklärten und versichern konnten, dass der Herstellerrabatt für das Präparat seinerzeit vom Hersteller erstattet wurde. Auch die von mir ermittelte Summe wurde bestätigt. Bisher hatte ich mich mit nicht so intensiv mit dem Thema Herstellerrabatte beschäftigt – gut 360 Euro waren es für die eine Packung.“ Möllenkamp informierte sich näher zu dem Thema und musste feststellen, dass die Regelungen zu den Abschlägen relativ komplex sind. „Dann habe ich mit meinen Mitarbeiterinnen darüber gesprochen, dort war die Problematik nicht wirklich bewusst. Ich denke, das Thema sollte in den Apotheken mehr Beachtung finden. Am Ende geht die Apotheke ja ein großes Risiko ein – neben der Gefahr der Retaxation durch die Krankenkassen haften wir im Zweifelsfall auch für die Herstellerrabatte.“

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