„Zur Rose“ und die Versandapotheke

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In Deutschland dürfen nur öffentliche Apotheken Arzneimittel versenden. Dass diese Hürde rechtlich sauber umgangen werden kann, ist seit dem Urteil in Sachen Schlecker/Vitalsana klar: So kann eine deutsche Kapitalgesellschaft eine Apotheke im Ausland gründen, die wiederum dem Mutterkonzern elementare Aufgaben bis hin zur Beratung der Kunden und Patienten überträgt. Dass es auch ohne den Umweg über die Niederlande geht, zeigt der Fall „Zur Rose“.

Als deutsche Versandapotheke tritt rein rechtlich die „Apotheke Zur Rose“ auf, die im Firmengebäude von „Zur Rose“ in Halle/Saale untergebracht ist als Filiale der Johann-Sebastian-Bach-Apotheke in Köthen. Allzuviel Laufkundschaft dürfte Apotheker Ulrich Nachtsheim im Industriegebiet rückseitig des Hauptbahnhofs nicht zu erwarten haben - der Schwerpunkt seines Geschäfts liegt im Versandhandel.

Um den kümmert sich aber im Wesentlichen das deutsche Tochterunternehmen der schweizerischen Ärztegesellschaft - in den Verwaltungsräumen über der Apotheke und der Logistikhalle auf der Rückseite des Gebäudes.

„Zur Rose“ erbringt laut Firmenunterlagen für die Apotheke eine ganze Reihe von Dienstleistungen: „Bereitstellung/Vorhaltung von Arzneimitteln, Leistungen im Rahmen der Verpackung und des Versands der Arzneimittel, Abrechnung der versandten Arzneimittel gegenüber Krankenkassen und Kunden sowie Betreiben eines Call-Centers.“ Außerdem treibt „Zur Rose“ die „Etablierung des Firmenimages sowie Marktexpansion durch Entwicklung spezieller Marketingaktivitäten“ voran.

Die Leistungen werden mit der Apotheke verrechnet: 2009 verbuchte „Zur Rose“ Einnahmen aus dem Verkauf von Arzneimitteln in Höhe von 28 Millionen Euro; der Umsatz der Versandapotheke dürfte entsprechend etwas darüber gelegen haben. 2,4 Millionen Euro zahlte Nachtsheim für die Kooperationsleistungen, dazu kommen 100.000 Euro für die Miete.

Für den tschechischen Medikamentendiscounter VfG fungiert „Zur Rose“ in Halle übrigens ebenfalls als zentrale Drehscheibe: 29 Millionen Euro wurden der Schwestergesellschaft für Arzneimittel in Rechnung gestelllt, inklusive 4-prozentiger Marge gemäß Dienstleistungsvertrag. Dazu kommen 2,2 Millionen Euro für Kooperationsleistungen.

Dass „Zur Rose“ 2009 in Deutschland trotzdem mit einem Verlust von 3,6 Millionen Euro aus dem Rennen ging, lag unter anderem an den Marketingaufwendungen in Höhe von 5,7 Millionen Euro; für Auslieferungen wurden knapp 1,5 Millionen Euro ausgegeben. Spätestens im kommenden Jahr soll „Zur Rose“ in den schwarzen Zahlen landen.

Die Schweizer setzen große Hoffnungen in ihren neuen Geschäftsführer in Halle, den ehemaligen Ratiopharm-Vertriebschef Rainer Seiler. Der soll vor allem das Kooperationsgeschäft mit Krankenkassen und auch Ärzten „massiv forcieren“. Die schweizerischen Ärzte hoffen auf „einen dramatischen Zugewinn im Rx-Geschäft, das höhere Kundenbindung und größere Margen garantiert - der Grundpfeiler für zukünftiges profitables Wachstum“.

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