Teehersteller

Sidroga beendet dm-Desaster

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Berlin -

Zurück zur Apotheke: Mit dem Launch der Marke Sidrosan bei dm vor einem Jahr hatte der Teehersteller Sidroga unter Pharmazeuten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Jetzt zieht das Unternehmen die Reißleine und gibt das Geschäft mit der Drogeriekette auf. Das Apothekengeschäft soll künftig nicht mehr kannibalisiert werden.

Ab Herbst soll es die Marke Sidrosan nicht mehr bei dm geben. „Wir gehen da raus“, sagt Bettina Fuchs, die bei der Strathos-Gruppe (Sidroga/Emser) das Apothekengeschäft leitet. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit der Drogeriekette gefallen; dm habe bereits begonnen, die elf Produkte zum halben Preis abzuverkaufen.

Die Rückkehr zur Apothekenexklusivität habe einen strategischen Hintergrund, so Fuchs. Sidrosan sei „nicht die beste Idee“ gewesen, räumt sie ein. Der Launch im Mass Market sei noch unter der alten Geschäftsführung geplant worden; mit dem Wechsel an der Spitze habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich dasselbe Produkt nicht in zwei verschiedenen Handelskanälen vermarkten lässt. „Das macht keinen Sinn. Unterschiedliche Vertriebswege brauchen differenzierte Portfolios.“

Zu Abverkaufszahlen will sie sich nicht äußern, Sidrosan habe sich aber schon wegen der Beschränkungen für die Werbung von vornherein nicht wirklich positiv entwickeln können. „Es bringt nichts, an einem Thema festzuhalten, wenn man nicht weiter kommt.“ Wie teuer der Ausflug war, verrät Fuchs nicht. Nur so viel: Sidroga habe sich 2017 aus verschiedenen Gründen nicht so entwickelt wie erhofft; nach Umsatz sei man aber nach wie vor Marktführer. Und Emser wachse erfolgreich.

„Wir haben als Unternehmen eine Lernkurve absolviert“, räumt Fuchs offen ein. Die Erkenntnis, dass „Copy/Paste“ nicht funktioniert, will man in Bad Ems nun auch für künftige Erweiterungen des Portfolios nutzen. Im Moment läuft der Evaluationsprozess, frühestens im kommenden Jahr könnten wieder Teeprodukte im Mass Market angeboten werden. Dann jedoch würde der Fokus auf reinen Trend- und Wellnessprodukten liegen, die nicht zur Apotheke passten. Und auch den Fehler, ein- und dieselbe Firma in unterschiedliche Kanäle zu schicken, wird man bei Strathos nicht wieder machen. Hermes mit Bad Heilbrunner und H&S mit Goldmännchen waren hier in der Vergangenheit geschickter gewesen.

Das bestehende Portfolio der Marken Emsan und Emcur wird nicht angetastet, allerdings sollen auch hier künftig eher Produkte angeboten werden, die sich gezielt an eine jüngere Zielgruppe vermarkten lassen. Als Beispiel nennt Fuchs die Emcur-Fußpilzprodukte, die ebenfalls im vergangenen Jahr exklusiv bei dm eingeführt wurden. Dass dabei Indikationen abgedeckt werden, die sonst in der Apotheke zu Hause sind, sieht Fuchs nicht als Problem: „Das sind Produkte, die physikalisch wirken und die Apotheker nach unseren Befragungen gar nicht anbieten wollen.“

Sidrosan war unter der Führung von Stefan Prebil eingeführt worden; der Unternehmensberater aus der Schweiz hatte bei Strathos vorübergehend die Leitung übernommen und ganz offensichtlich wenig Berührungsängste, mehrere Vertriebskanäle zu beliefern. Sein Auftrag war es nach eigenem Bekunden, die Unternehmensgruppe „aus ihrem Dornröschenschlaf“ wachzuküssen: Die Marken drohten teilweise Staub anzusetzen, auch im Vertrieb sollten neue Akzente her, sagte er. Den Protesten der Apotheker musste sich dann im Frühjahr 2017 sein Nachfolger Marc Denker stellen, der wenige Monate zuvor als Leiter des Bereichs Marketing und Vertrieb an Bord gekommen war.

Dm hatte in den Filialen eine komplette obere Regalschiene freigeräumt. Zum Sortiment gehören ein Blasen- und Nierentee, ein Magen- und Darmtee, ein Leber- und Galletee, ein Schlaf- und Nerventee, ein Erkältungstee und ein Husten- und Bronchialtee. Für Kinder werden ein Gute-Nacht-Tee, ein Hustentee und ein Erkältungstee angeboten. Kamille und Lindenblüten gibt es als Einzeldrogen.

Fast alle Produkte der neuen Reihe sind als Arzneitee deklariert, die meisten zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren gedacht. Für den Fall, dass Nebenwirkungen auftreten, werden die Anwender in der Gebrauchsinformation an den Arzt verwiesen. Auch Meldungen direkt an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seien möglich. Einen Hinweis auf den Apotheker gibt es nicht.

Sidroga und der Emser-Hersteller Siemens & Co. gehören zur Strathos-Gruppe, die wiederum der Strüngmann-Familie gehört. Der Teehersteller mit einem aktuellen Umsatz von 12,2 Millionen Euro war 2007 von der schweizerischen Siegfried-Gruppe übernommen worden. Der Umsatz von Siemens lag zuletzt bei 18,5 Millionen Euro. Auf Basis von Apothekenverkaufspreisen liegen beide Sparten ungefähr gleichauf bei rund 30 bis 40 Millionen Euro.

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