Grippeimpfstoffe

Sanofi-Außendienst „sehr offensiv“

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Berlin -

Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) die quadrivalenten Grippeimpfstoffe zur Kassenleistung zu machen, eröffnete den Kampf um den Markt um die Gunst der Ärzte. Apotheker berichten über „sehr offensive“ Außendienstmitarbeiter.

Zwar zahlen die Kassen die quadrivalenten saisonale Grippeschutzimpfung, aber zu welchem Preis ist vielerorts noch nicht bekannt. Für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben die AOK Nordost und der Berliner Apotheker-Verein (BAV) eine Vereinbarung geschlossen und für den quadrivalenten Impfstoff einen Betrag von 10,95 Euro plus Mehrwertsteuer vorgesehen.

Die AOK Niedersachsen hat für etwa 2,7 Millionen Versicherte die Vakzine im Open-house-Modell ausgeschrieben. Ziel sei es, mit möglichst allen Impfstoffherstellern einen Rabattvertrag im Open-House-Modell abzuschließen. In anderen Regionen sind für die Saison 2018/2019 noch keine Regelungen bekannt. Umso erstaunter sind Apotheker, die mit Bestellbögen aus den Arztpraxen konfrontiert werden.

Unterwegs ist der Außendienst von Sanofi Pasteur, der derzeit bei den Ärzten den Bedarf an Grippeimpfstoffen für die nächste Saison abfragt. Dies bestätigte der Hersteller auf Nachfrage. „Für die beliefernden Apotheken werden daraus dann Vorbestellungen unter Vorbehalt, dass die Erstattung gesichert ist“, heißt es weiter. „Sollte dies nicht der Fall sein, besteht selbstverständlich eine Stornomöglichkeit für den Auftrag“, versichert Sanofi.

Bei den Apothekern kommt dies jedoch anders an. „Der Außendienst füllt mit dem Arzt den Bestellbogen aus, der dann in die Apotheke kommt. Sanofi spricht zwar von einer Reservierung, aber auf dem Papier steht ‚ich bestelle‘“, ärgert sich ein Apotheker.

So werde ein Bedarf erzeugt, der ein Geschäft zwischen Hersteller und Apotheker zur Folge hätte, ohne den Apotheker zuvor zu fragen. Dies sei unmöglich, entzürnen sich Apotheker, die fürchten, am Ende drauf zu zahlen, wenn noch Verträge zu niedrigen Preisen geschlossen würden. Auf die Zusage, eine Rücknahme sei möglich, wolle man sich nicht verlassen.

Für die Hersteller scheint eine Bedarfsermittlung jedoch unerlässlich um Lieferengpässen vorzubeugen. Denn zur Herstellung von Grippeimpfoffen werden Eier als Brutstätte verwendet. Der Prozess ist zeitaufwendig und Vakzine können nicht einfach in kurzer Zeit nachproduziert werden.

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