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Ricola: Eigener Apothekenaußendienst?

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Berlin -

Die Uhr läuft: Ab 2019 wird Ricola nicht mehr von Klosterfrau vertrieben. Der Bonbonhersteller aus der Schweiz hat sich für das Joint Venture CFP Brands entschieden. Aber wer wird die Produkte künftig in der Apotheke besprechen? Die Vertriebsfirma mit Sitz in Bonn baut nach inoffiziellen Angaben einen eigenen Apothekenaußendienst auf. Andere Quellen berichten, dass zwei Firmen in der engeren Auswahl stehen, um die Marke huckepack zu nehmen.

Nach 30 Jahren endet zum Jahreswechsel die Kooperation zwischen Ricola und Klosterfrau. Das Aus war laut Klosterfrau „keine einseitige Trennung“, beide Unternehmen verfolgten eine strategisch andere Zielsetzung. Ricola-Chef Felix Richterich lobte Klosterfrau im Februar „als geschätzte Vertriebspartnerin“ und bedankte sich für die „sehr gute Zusammenarbeit“. Die Kölner seien „Teil der Erfolgsgeschichte in Deutschland“.

Ricola beteiligte sich Anfang des Jahres an der Vertriebsfirma CFP Brands, die ursprünglich von Perfetti van Melle und Fisherman’s Friend gegründet worden war. Mit der Kooperation soll das Deutschlandgeschäft weiter ausgebaut werden. Richterich erklärte, dass das Familienunternehmen die „Präsenz im wichtigen Exportmarkt Deutschland weiter erhöhen“ wolle. Das Joint Venture verfüge über exzellente Beziehungen im deutschen Süßwarenmarkt.

Fraglich war nur, wie der Apothekenvertrieb organisiert werden würde. Fisherman‘s Friend (Lofthouse) hat seit 2005 der Außendienst von Wepa im Gepäck. Da aber nur noch wenige Wochen bleiben, müsste die Firma mit Sitz in Hillscheid allmählich informiert werden, wie es mit den beiden Bonbonmarken im Apothekenbereich weitergehen soll. Einen offiziellen Kommentar gibt es vom Unternehmen derzeit nicht.

Tatsächlich gibt es auch in der Branche keine validen Informationen dazu. Selbst die gewöhnlich gut informierte Konkurrenz weiß nichts: „In dieser Frage hören wir gar nichts“, sagt ein Geschäftsführer aus der Branche. „Sogar unser Außendienst, der ja täglich mit den Apotheken in Kontakt ist, konnte mir keine Informationen geben.“ Bei den Apotheken nehme man aber auch eine gewisse Unsicherheit wahr, da auch sie keine Informationen bekämen.

Unbestätigten Berichten zufolge will CFP Brands wieder mit einem Vertriebspartner in die Apotheken. Zwei Unternehmen sollen in der engeren Auswahl sein, als ein Kandidat gilt Hermes Arzneimittel. Geschäftsführer Jörg Wieczorek dementiert: „Hermes Arzneimittel arbeitet, wie Sie wissen, nur apothekenexklusiv. Selbst wenn die Marke Ricola interessant und sicher wirtschaftlich interessant ist, werden wir deswegen nicht unsere Strategie ändern.“

Von CFP heißt es offiziell, dass ab Januar das Marketing und der Vertrieb für Ricola im Apotheken- und Drogeriemarkt, Lebensmitteleinzelhandel und Convenience-Bereich übernommen wird. Konkretes, etwa wie viele Mitarbeiter die Apotheken besuchen sollen, wird nicht verraten: „An der ‚Route to market‘ für die Apotheke unter dem CFP-Dach wird derzeit noch gearbeitet“, sagte eine Firmensprecherin. Insider aus dem Unternehmen verraten, dass gerade ein eigener Apothekenaußendienst aufgebaut wird. Bestätigen oder dementieren wollte die Sprecherin dies nicht.

Ricola wurde 1930 in der Schweiz gegründet und ist seit drei Generationen in Familienbesitz. Die Firma beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf rund 325 Millionen Schweizer Franken (rund 288 Millionen Euro). Wachstumstreiber waren Märkte in Asien sowie Kanada und den USA.

Die Marke Fisherman´s Friend gehört seit mehr als 150 Jahren dem gleichnamigen Unternehmen der englischen Familie Lofthouse. Jährlich werden rund sechs Milliarden Pastillen für über 120 Länder hergestellt. Weitere Marken von CFP Brands sind Chupa Chups, Center Shock, Mentos, Smint und Mentos Kaugummi. Das Unternehmen beschäftigt rund 110 Mitarbeiter in Deutschland.

Klosterfrau richtet sich bereits seit dem Wechsel an der Spitze im Jahr 2016 neu aus und konzentriert sich dabei auf die eigenen Marken mit dem Fokus Erkältungsmittel. Kooperationen gibt es aktuell noch mit dem schweizerischen Unternehmen Geistlich (Vita Gerin) und dem Münchener Hersteller Harras (Traumaplant). Auch die Marken Bronchicum, Cholagogum, Contramutan, Essentiale, Melrosum, Monapax sind keine Entwicklungen von Klosterfrau: Die Rechte hatten sich die Kölner im Februar 2003 von der Firma Nattermann gesichert, die seitdem nur noch als Lohnhersteller fungiert und heute zu Sanofi gehört.

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