Pharmakonzerne

OTC: Bayer will „smarter“ werden

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Berlin -

Knapp 15 Milliarden US-Dollar hat Bayer für die Consumer-Sparte von Merck & Co. bezahlt – laut Konzernchef Marijn Dekkers der zweitgrößte Zukauf in der Geschichte. Die Übernahme braucht der Hersteller, um neuen Schub in sein OTC-Geschäft zu bringen: Rückläufige Umsätze bei Aspirin, Canesten und Contour bremsen nämlich das organische Wachstum. Außerdem soll das Portfolio vielfältiger werden.

Insgesamt lagen die Erlöse in der Consumer-Sparte im vergangenen Jahr mit 7,9 Milliarden Euro rund 2,5 Prozent über Vorjahr. Auf das OTC-Geschäft entfallen dabei 4,2 Milliarden Euro (plus 9 Prozent), auf die Division Medical Care 2,4 Milliarden Euro (minus 7 Prozent) und auf Animal Health 1,3 Milliarden Euro (plus 1 Prozent).

Ohne das Merck-Geschäft, das seit Oktober rund 289 Millionen Euro beisteuerte, hätte der OTC-Bereich nur 1 Prozent über Vorjahr gelegen. Dekkers hofft, dass sich die Merck-Marken unter deutscher Flagge noch besser entwickeln werden als bislang: Das Bayer-Kreuz genieße nach wie weltweit vor hohes Ansehen, so der Konzernchef.

Unbedeutend ist bislang der Beitrag des für 400 Millionen Euro übernommenen chinesischen Herstellers Dihon in Höhe von 3 Millionen Euro seit November. Dekkers rechtfertigt den Kauf: Das Unternehmen solle für Präsenz im chinesischen Markt sorgen – dem Konzernchef zufolge ist Größe im Consumer-Bereich wichtig.

Gemeinsam mit Steigerwald soll die Firma laut Dekkers außerdem die Chance bieten, dass Bayer mit einer Kombination aus chemischen und pflanzlichen Präparaten künftig „smarter“ daher kommt. Für den Phytohersteller aus Darmstadt mit einem Umsatz von rund 65 Millionen Euro hatte Bayer vor zwei Jahren 218 Millionen Euro gezahlt. Derzeit wird nicht nur die Einführung von Produkten wie Iberogast und Laif in neuen Märkten vorbereitet, sondern dem Vernehmen nach auch die Erweiterung der Marke (Iberobalance, Iberorelief).

Negativ entwickelten sich 2014 große Produkte aus dem Consumer-Bereich von Bayer wie Contour (658 Millionen Euro, minus 9 Prozent), Aspirin (441 Millionen Euro, minus 5 Prozent), Ultravist (302 Millionen Euro, minus 6 Prozent), One A Day (167 Millionen Euro, minus 5 Prozent) sowie Canesten und Supradyn (253 beziehungsweise 154 Millionen Euro, jeweils minus 2 Prozent). Allerdings schlugen hier auch Währungseffekte zu Buche.

Wachstum gibt es bei Advantage (495 Millionen Euro, plus 2 Prozent), Aleve (350 Millionen Euro, plus 9 Prozent), Bepanthen/Bepanthol (346 Millionen Euro, plus 12 Prozent) sowie Gadovist/Gadavist (233 Millionen Euro, plus 14 Prozent). Zum Umsatz der Healthcare-Sparte trägt der Bereich rund 40 Prozent bei, zum Konzernumsatz knapp 20 Prozent.

Im laufenden Jahr werden die Karten neu gemischt: Mit einem erwarteten Umsatz von 5,6 Milliarden Euro überholt die OTC-Sparte des Leverkusener Konzerns den Konkurrenten Johnson & Johnson und hält Schritt mit GlaxoSmithKline/Novartis. Bayer erwartet nicht nur Umsatz-, sondern auch ganz besondere Ergebnissteigerungen in diesem Bereich.

Positiv entwickelte sich das Rx-Geschäft, das um 8 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro zulegte. Vor allem neue Produkte wie Xarelto (1,7 Milliarden Euro, plus 77 Prozent) und Eylea (759 Millionen Euro, plus 128 Prozent) sorgten für Wachstum. Rückläufig entwickelten sich Kogenate (1,1 Milliarden Euro, minus 8 Prozent), Betaferon/Betaseron (819 Millionen Euro, minus 21 Prozent) und Yaz/Yasmin/Yasminelle (768 Millionen Euro, minus 10 Prozent). Auch Avalox (381 Millionen Euro, minus 11 Prozent) und Levitra (245 Millionen Euro, minus 16 Prozent) litten unter neuer Generikakonkurrenz.

Insgesamt entfallen vom Konzernumsatz von 42,2 Milliarden Euro (plus 5 Prozent) 47 Prozent auf den Healthcare-Bereich. Die Sparte CropScience wuchs um 8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, die zum Verkauf gestellte Sparte MaterialScience um 4 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um 7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu, die Dividende soll von 2,10 auf 2,25 Euro steigen.

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