OTC-Hersteller

GSK/Novartis: Zurück in die Zukunft

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Berlin -

GlaxoSmithKline (GSK) und Novartis gehen im OTC-Bereich gemeinsame Wege. Emma Walmsley, bislang OTC-Chefin bei GSK, leitet das Joint Venture. Das Europageschäft wird dagegen wesentlich durch die Strukturen und Köpfe von Novartis geprägt sein. Die Schweizer setzen auf erfahrene Köpfe, die in ihrer Karriere einen Schritt zurückgehen. Zwei jüngere Manager müssen dafür ihre Posten räumen.

Walmsley war 2010 von L'Oréal zu GSK gekommen und hatte seitdem das weltweite Consumer-Geschäft des Konzerns verantwortet. Weil ihr bisheriger Arbeitgeber im Gemeinschaftsunternehmen „GSK Consumer Healthcare“ mit einem Anteil von 63,5 Prozent der Seniorpartner ist, war ihre Besetzung naheliegend.

Das Europa- und Amerikageschäft leitet dagegen Brian McNamara, der seit Februar 2012 für das weltweite OTC-Geschäft von Novartis zuständig war. Weil der Chefsessel an GSK ging, muss sich der Amerikaner mit der Regionalverantwortung zufrieden geben. Sein neues Aufgabenfeld kennt er bereits, denn das OTC-Europageschäft des Konzerns hatte er schon von August 2007 bis Juli 2010 geleitet, bevor er für zwei Jahre die Verantwortung für Amerika übernahm. McNamara war im September 2004 von Procter & Gamble (P&G) zu Novartis gewechselt.

Den Posten freigemacht für seinen früheren Vorgesetzten hat Erhard Heck – der die Verantwortung für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) übernimmt und damit im neuen Unternehmen ebenfalls auf eine frühere Position zurückbefördert wird. Heck war viele Jahre lang in der Geschäftsführung von Novartis in München, zuletzt vor seinem Wechsel auf den Europaposten von September 2009 bis Juli 2011. Zwischenzeitlich hatte er für den Konzern immer wieder im Ausland Funktionen übernommen.

Damit müssen sich die beiden bisherigen Verantwortlichen einen neuen Job suchen: In München war bislang Frank Hauerken für das OTC-Geschäft von Novartis in DACH zuständig. In Hamburg hatte Anton van de Putte für den Großraum Nordwesteuropa, zu dem neben dem deutschsprachigen Raum die Benelux-Länder und Skandinavien gehörten, den Hut auf. Die beiden ehemaligen Unilever-Kollegen hatten als aussichtsreichste Kandidaten für Positionen im deutschen oder europäischen Raum gegolten.

Die Übergabe hat bereits stattgefunden, noch ist aber nicht bekannt, wo Europa- und DACH-Zentrale künftig angesiedelt sein werden. Womöglich wird der deutschsprachige Raum weiterhin in München betreut, Europazentrale könnte Hamburg werden.

Die Mitarbeiter auf den nachgelagerten Ebenen müssen auf jeden Fall mit weiteren Veränderungen rechnen. OTC-Vertriebsleiter bei Novartis in der DACH-Region ist Stefan Walk, für das Marketing ist Nicole Kettenus-Schwarz zuständig. Bei GSK sind Produktmanagement und Marketing bislang überregional strukturiert: Das Marketing für den Bereich Oral Health im Cluster Nordwesteuropa leitet Pauline Silverman, für alle anderen Produkte ist Misel Ahom zuständig. Die Vertriebsleitung für den deutschsprachigen Raum liegt bei van de Putte; den Apothekenaußendienst leitet Christoph Hinnenberg, für den Mass Market ist Björn Schwarz zuständig.

Mit einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro ist Novartis nach Bayer und Ratiopharm die Nummer 3 im deutschen OTC-Markt, vor Klosterfrau, Stada, Boehringer, Hexal, Schabe und J&J. 56 Prozent der Erlöse werden mit Voltaren-Produkten erwirtschaftet, andere Marken sind Fenistil, Lamisil, Otriven, Lemocin, Rhinomer, Omniflora, Venoruton, Sweatosan, NeoTussal, Döderlein, Importal, Privin und Tavegil. Insgesamt beschäftigt Novartis in diesem Bereich rund 200 Mitarbeiter, davon sind 70 im Außendienst tätig.

GSK erlöst hierzulande mit Consumer-Produkten rund 350 Millionen Euro. Der größte Teil entfällt allerdings auf Mundspüllösungen sowie Zahnpasten und -bürsten: Mit Marken wie Chlorhexamed und Corsodyl (Apotheke) sowie Dr. Best, Corega, Odol/Odel-med3, Parodontax und Sensodyne kommt der britische Konzern auf einen Marktanteil von rund 25 Prozent im Bereich der Mundhygiene.

Das OTC-Geschäft in der Apotheke ist nach dem Verkauf verschiedener nur regional bedeutender Marken an Omega auf rund 60 Millionen Euro eingebrochen, von denen die Hälfte auf Chlorhexamed entfällt. Rund 550 Mitarbeiter sind im Bereich Consumer tätig.

Weltweit ist das neue Gemeinschaftsunternehmen mit einem Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar künftig die Nummer 1 im OTC-Geschäft vor Bayer mit 7,4 Milliarden Dollar sowie Johnson & Johnson (J&J). Mehr als die Hälfte des Geschäfts entfällt auf Marken mit Erlösen von jeweils mehr als 300 Millionen Dollar. Novartis könnte sich auf Strecke aus dem Unternehmen zurückziehen.

Allerdings müssen sich die Konzerne noch von einigen Produkten trennen: Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen bei Produkten zur Raucherentwöhnung sowie Mitteln gegen Lippenherpes und Analgetika eine allzu große Marktmacht bekommen könnte.

Hierzulande betroffen sind NiQutin und Penicivir. Das Nikotinersatzpräparat von GSK ist mit einem Marktanteil von 4 Prozent in Deutschland vergleichsweise unbedeutend und stand zuletzt auch nicht mehr im Fokus der Vertriebsaktivitäten. Stattdessen setzen die beiden Konzerne künftig ganz auf Nicotinell. Das Novartis-Produkt hat einen Anteil von rund 35 Prozent im deutschen Markt und ist damit die Nummer 2 hinter Nicorette (Johnson & Johnson, J&J) mit rund 60 Prozent.

Zovirax und Pencivir liegen Kopf an Kopf mit jeweils rund 30 Prozent Marktanteil. Abgeschlagen folgen Aciclostad sowie Aciclovir Ratiopharm und Lomaherpan mit knapp zwei- beziehungsweise einstelligen Marktanteilen. Obwohl sich das Novartis-Produkt zuletzt gut entwickelt hat, hält GSK an dem hauseigenen Originalpräparat fest. So gesehen war es vielleicht ganz hilfreich, dass der Schweizer Konzern die Dachmarke Fenistil bei seinem Herpesmittel wieder ablegen musste. Aktuell wird sogar das Hydrocortison-haltige Produkt umbenannt in Fenihydrocort.

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