Noventi kauft Apothekerin alle AvP-Forderungen ab

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Berlin -

Noventi hat sich im Rennen um ehemalige AvP-Apotheken mächtig ins Zeug gelegt: Vorauskasse für Neukunden, Abrechnungsgebühren an der Dumping-Grenze und schließlich der Deal mit dem Krankenhausgeschäft. Doch zumindest in Einzelfällen ist der Dienstleister noch weiter gegangen. APOTHEKE ADHOC liegt ein Vertrag vor, mit dem Noventi einer AvP-Apothekerin sämtliche Forderungen gegen das insolvente Rechenzentrum abkauft – und zwar ohne Abschlag. Warum macht der Branchenprimus das?

Einige AvP-Apotheker haben Anfang September – wenige Tage vor der Insolvenz – noch einen Abschlag auf ihre August-Rezepte erhalten, andere sind komplett leer ausgegangen und sitzen auf sechs-, teilweise siebenstelligen Forderungen. Dass diese Ansprüche im Insolvenzverfahren ausgesondert werden, ist nach Lage der Dinge unwahrscheinlich. Es geht wohl nur noch um eine möglichst hohe Quote. Hierzu kursieren alle möglichen Zahlen, verlässlich lässt sich das aktuell nicht vorhersagen. Harte Fakten werden erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Gericht offiziell zusammengetragen.

Mit einer vollständigen Befriedigung der Gläubiger ist in Insolvenzverfahren kaum je zu rechnen. Umso erstaunlicher mutet der Kauf- und Übertragungsvertrag an, den Noventi mit einer Apothekerin geschlossen hat. Darin wird zunächst centgenau die Forderung beziffert, die die Inhaberin gegen AvP hat. Exakt dieser Betrag wird dann von Noventi übernommen.

Normalerweise wäre zu erwarten, dass der Käufer für das Risiko einen Abschlag einbehält. Doch genau dies ist hier nicht passiert. Der Deal dient offensichtlich auch nicht der Akquise: Die Apothekerin hatte den Vertrag bereits unterschreiben, mit dem sie von AvP zu Noventi wechselte. Dass sie gezielt angesprochen wurde, könne eigentlich auch nicht sein: Noventi wusste nach ihren Angaben vorab nicht, welche Außenstände die Apotheke bei AvP hat.

In welchem Umfang solche Verträge mit Apotheken geschlossen wurden, ist nicht bekannt. Eine Stellungnahme des Anbieters steht noch aus. Viele AvP-Geschädigte haben von dem Angebot nie gehört. Vor allem überrascht, dass Noventi hier für die volle Höhe der Forderung in die Haftung geht. Eine Erklärung wäre zwar, dass der Apotheken-Dienstleister als Gläubiger eine Sicherheit für die gewährten Vorabzahlungen in den eigenen Büchern hat. Die könnte sich im Fall einer niedrigen Quote aber als sehr brüchig erweisen.

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