Läusemittel

Mosquito macht Druck auf Nyda

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Berlin -

Mit hohem Werbedruck hat Pohl-Boskamp sein Läusemittel Nyda an die Spitze des Marktes gebracht, vorbei an den einstigen Platzhirschen Goldgeist (Eduard Gerlach) und Infectopedicul (Infectopharm). Doch aktuell werden die Karten neu gemischt. Wepa hat mit seinem Mosquito-Läuseshampoo einen erfolgreichen Relaunch hingelegt, und auch Hennig drängt mit Licener in den Markt.

Das Mosquito-Läuseshampoo gibt es seit 1995, Nyda seit 2006. Beide Produkte stehen auf der Ausnahmeliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und sind damit für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen verordnungsfähig.

Im Juni 2014 führte Wepa ein verbessertes Shampoo ein, das nur noch 10 statt 30 Minuten einwirken muss. Obwohl die neue Variante mangels Studien noch nicht erstattungsfähig ist, konnte Mosquito Markanteile gewinnen: Im März kam die Marke auf 24 Prozent – nach 14 Prozent im Vorjahr. Nyda lag mit 28 Prozent nur marginal über dem dem Niveau von 2012. Damals hatte das Shampoo einen Marktanteil von 27 Prozent.

Dass Wepa dank seiner Vertriebskraft ein Produkt auch ohne größere Werbebudgets in die Apotheken bringen kann, ist kein Geheimnis. Spannend wird daher, wie sich der Markt weiter entwickelt. Läusesaison ist der Spätsommer, und hier hatte Nyda 2014 noch die Nase vorn: Auf das Gesamtjahr betrachtet kam der Platzhirsch zwischenzeitlich auf 33 Prozent, während Mosquito noch bei 21 Prozent lag.

Auf Platz 3 folgt mit einigem Abstand Hennig mit Licener. Das Produkt war von Professor Dr. Heinz Mehlhorn, Parasitologe an der Universität Düsseldorf, entwickelt worden; die erforderlichen Studien hatte er über sein Netzwerk durchführen lassen. Beim Generikahersteller stieß er mit seinem Präparat auf Interesse: Das Familienunternehmen ist dabei, sich im OTC-Bereich ein zweites Standbein aufzubauen.

Der Newcomer hat mittlerweile einen Marktanteil von 10 Prozent und ist damit wenige Monate nach der Einführung an Goldgeist, Infectopedicul und Jacutin Pedicul (Almirall) vorbeigezogen, die zwischen 6,5 und 9 Prozent relativ dicht beieinander liegen. Linicin von Meda konnte seinen Marktanteil auf 7 Prozent steigern und hat es somit ins Mittelfeld geschafft.

Auf immerhin 3 Prozent Marktanteil kam zuletzt Etopril von Dr. August Wolff. Die übrigen Anbieter haben zusammen einen ähnlichen Marktanteil: Dimet (Infectopharm), Permethrin Biomo, Läuse-Stopp-Ratiopharm, Läuseschreck (Dr. phil. Gloystein), die Alliance-Eigenmarke „Alvita Läuse und Nissen“ sowie Rausch Laus-Stop.

Auffällig ist, dass – abgesehen von Nyda – besonders die Läuseshampoos beliebt sind, die im aktuellen Test des Magazins Öko-Test schlecht abgeschnitten haben. Insektizide wie Permethrin oder Pyrethrum sind demnach out, weil die mechanische Methode mit Silikonen ausreichend wirksam ist.

Allerdings sind die Beurteilungen unter Experten nicht unumstritten: Licener-Erfinder Mehlhorn etwa kann etwa nicht nachvollziehen, warum Di- und Cyclomethicone nicht als Chemikalien eingestuft wurden: „Sie sind sehr leicht hautgängig, können Lungenoberflächen bedecken und müssen meist extrem lange angewendet werden, was die Inhalationsgefahr erhöht“, so Mehlhorn.

Für „nahezu unglaublich“ hält er, dass Silikonpräparate als völlig unbedenklich eingestuft wurden – schon allein mit Blick auf die leichte Entflammbarkeit. „Es sind Fälle schwerster Verbrennungen bekannt, ohne dass dies im Beipackzettel konkret erwähnt wird.“

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