OTC-Hersteller

High Heels für Hennig

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Flörsheim -

Hennig Arzneimittel will das Geschäft mit der Selbstmedikation weiter ankurbeln: Der Familienbetrieb aus Flörsheim plant in den kommenden zwei Jahren eine Verdopplung des OTC-Umsatzes. „Wir sind mit dem 13-prozentigen Anteil noch nicht glücklich“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Kai Schleenhain. Insgesamt erwirtschaftete der Hersteller 2017 einen Umsatz von 41,6 Millionen Euro.

Seit fünf Jahren bietet Hennig OTC- und Freiwahlprodukte an. Neuestes Produkt im Sortiment ist Footner Vital-Kick. Der apothekenexklusive Schaum gegen brennende, müde und schwere Füße kam Ende 2017 auf den Markt. Mit dem Roller geht das Familienunternehmen erstmals mit einem Testimonial in die Apotheken. Jorge González, Juror von Let's Dance, ist das Werbegesicht und strahlt in High Heels auf Aufstellern. „Wir müssen einmal etwas Neues machen und mutig sein“, so Schleenhain. Zusätzlich zu PoS-Materialien seien beispielsweise Youtube-Filme und Beiträge in sozialen Netzwerken geplant.

Wichtigstes OTC-Produkt ist das Läusemittel Licener. Innerhalb der Top-10 habe es das Shampoo auf Platz 3 im Markt geschafft, so Schleenhain. Mit dem Präparat erwirtschaftet Hennig einen Umsatz von rund 3 Millionen Euro. „Wir schicken uns an, die Nummer 1 zu werden“, sagt Schleenhain. Ein Antrag auf Erstattungsfähigkeit sei gestellt worden. Das sei vor allem für die psychologische Wirkung bei den Endverbrauchern wichtig. „Die wenigsten Produkte werden jedoch zur Erstattung eingereicht.“

Laut Schleenhain setzt Hennig in den kommenden Jahren auf organisches Wachstum. Zukäufe von neuen Produkten oder Firmen seien nicht geplant. Ein Fokus werde auch auf das Mitte 2017 eingeführte, Läusen vorbeugende Produkt Antijump gelegt. „Mütter kennen die Prophylaxe nicht. Das ist ein klassischer Zusatzverkauft“, so Schleenhain.

Im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) soll das Sortiment von Trivital ausgebaut werden. Neu seit April ist eine Variante für „Haut und Haar“. Im Herbst zur Grippesaison soll mit „Immun“ das siebte Produkt aus der Serie auf den Markt kommen. Im umkämpften NEM-Markt setze Hennig auf die Empfehlung von Arzt und Apotheken, so Schleenhain. Der Hersteller ist mit rund 80 Außendienst-Mitarbeitern in Praxen und der Offizin. Für einen Mittelständler sei es wichtig, Gesicht bei den Apothekern und Ärzten zu zeigen.

Mit Mustern für eine Woche will das Unternehmen gegen Mitbewerber bei den Heilberuflern punkten. Die Trivital-Produkte enthalten chinesische Vitalpilz- und Pflanzenextrakte sowie Mineralstoffe und Vitamine. Die Pilze werden von einem süddeutschen Rohstofflieferanten gestellt, die Produkte von einem Lohnhersteller produziert. Der Jahresumsatz liegt bei rund 800.000 Euro. „Wir müssen noch viel Basisarbeit leisten“, so Schleenhain. Weitere OTC-Produkte sind Wortie gegen Warzen, Viticks gegen Mücken und Zecken sowie die Schluckhilfe Medcoat.

Das Unternehmen feiert in diesem Jahr 120-jähriges Bestehen. Hauptprodukt ist Arlevert gegen Schwindel. Mit dem Cinnarizin- und Dimenhydrinat-haltigen Produkt ist Hennig im Bereich Antivertiginosa Marktführer. 2016 lief jedoch der Exklusivschutz ab. Die Mitbewerber Vertigo Vomex plus Cinnarizin (Klinge) und Cinna/Dimen (Neuraxpharm) seien bei den Rabattverträgen spürbar, so Schleenhain. Hennig gewinne derzeit mehr als die Hälfte der Ausschreibungen. Das Schwindelprodukt ist auch im Ausland das wichtigste Präparat. Aktuell ist Hennig in 34 Ländern aktiv. Zulassungsanträge für Russland und Kanada seien gestellt, sagt Schleenhain. Der Export macht 17 Prozent am Gesamtumsatz aus. Auf Originale entfallen 37 Prozent, die restlichen 33 Prozent auf Generika. Das Unternehmen mit rund 310 Mitarbeitern ist zudem als Lohnhersteller und Galenikentwicklung tätig.

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