Beragena insolvent – Apotheken bekommen kein Geld | APOTHEKE ADHOC
Inkasso beim Herstellerrabatt

Beragena insolvent – Apotheken bekommen kein Geld

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Berlin -

Seit Jahren warnen die Apothekerverbände vor dem Inkasso-Risiko beim Herstellerrabatt. Jetzt ist das beschriebene Szenario eingetreten: Der Reimporteur Beragena hat Insolvenz angemeldet – und die Apotheken bekommen kein Geld.

Das Problem ist der Einzug des Herstellerrabatts: Die Rechenzentren ziehen den Betrag im Auftrag der Kassen ab; die Importeure überweisen die Summe im Nachhinein. Dies hatte in der Vergangenheit bereits für Ärger gesorgt, weil Firmen feststellen mussten, dass sie Abschlag für Mengen zahlen sollten, die sie gar nicht verkauft hatten. Mehrere Fälle landeten vor Gericht.

Besonders heikel ist das Verfahren aber mit Blick auf mögliche Firmenpleiten. Seit Jahren weist der Deutsche Apothekerverband (DAV) darauf hin, dass die Apotheken hier ein Risiko tragen, das weder berücksichtigt noch in irgendeiner Art vergütet wird.

Genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Der Reimporteur Beragena hat am 18. August beim zuständigen Gericht in Baden-Baden Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Am Freitag teilten die Rechenzentren den Apotheken mit, dass vorerst keine offenen Herstellerrabatte vom Importeur beglichen würden.

Befreiung vom Herstellerrabatt

Beragena ist schon länger in Schieflage; bereits vor zwei Jahren hatte der Importeur reagiert und erfolgreich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine Befreiung vom Herstellerrabatt beantragt. Die für die Kalenderjahre 2018 und 2019 aufgrund der existenziellen Bedrohung beantragte Erstattung in Höhe von 5 Millionen Euro wurde demnach bewilligt und ausgezahlt. Allerdings mussten mit dem Geld zuallererst offene Steuern nachgezahlt werden.

Mit der Corona-Pandemie wurde die Situation allerdings noch schwieriger, denn aufgrund der Exportverbote in mehreren europäischen Ländern brachen Bezugsquellen und damit Umsätze weg. Schon der Brexit hatte das Unternehmen getroffen. 2020 schrumpften die Erlöse um 18 Prozent auf 32 Millionen Euro, unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von rund 3,5 Millionen Euro.

Ziel der beiden Firmenchefs Sven und Natalie Augustin war es, den Einkauf verstärkt nach Osteuropa zu verlagern und vermehrt margenstarke Produkte ins Sortiment zu nehmen. Auf diese Weise sollten der Umsatz schnell auf knapp 50 Millionen Euro gesteigert und zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden. Die Hausbank spielte wohl zunächst mit – doch der erhoffte Erfolg stellte sich augenscheinlich nicht ein. Eine Stellungnahme des Unternehmens, wie es mit dem Geschäftsbetrieb weiter geht und ob die Apotheken auf ihr Geld hoffen können, steht noch aus.

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