Versandhandel

Apothekerin setzt Noweda auf Ärzte an

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Berlin -

Die Noweda macht weiter Politik für die Apotheke vor Ort – diesmal direkt in den Arztpraxen. 54.000 Mediziner hat der Großhändler angeschrieben und mit einem Plakat ihrer Kampagne „Sofort vor Ort“ versorgt. Die Idee dazu kam von Apothekerin Sylke Bergmann, die Mitglied bei der Genossenschaft ist.

Noweda-Chef Dr. Michael Kuck zeichnet den Brief an die Ärzte persönlich. Diese mögen sich vorstellen, dass ihre Patienten dringend benötigte Medikamente nicht sofort in der Apotheke in der Nähe der Praxis erhalten. Oder dass es niemanden mehr gäbe, der den Patienten die vom Arzt verschriebene Rezepturen anfertige oder sie nachts und an Sonn- und Feiertagen akut versorge. „Was wäre, wenn Ihre Patienten stattdessen ausschließlich auf Versandapotheken angewiesen wären?“, fragt Kuck die Mediziner.

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu Rx-Boni sei das aber eine reale Gefahr, warnt der Noweda-Chef. Auf den ersten Blick sei die Entscheidung im Sinne der Patienten, die bei ausländischen Versandapotheken jetzt ein paar Euro sparen könnten. Das Problem liege aber darin, dass die Versender damit Umsätze der Vor-Ort-Apotheken auf ziehen könnten.

Bei einer durchaus möglichen Verlagerung von 25 Prozent der verschreibungspflichtigen Packungen auf die Versender droht laut einem Gutachten im Auftrag der Noweda 14.096 der rund 20.000 Apotheken die Schließung wegen fehlender Rentabilität. Ein Rx-Versandverbot würde zwar Abhilfe schaffen, sei aber in der derzeitigen politischen Situation nicht in Sicht, so Kuck weiter.

Apotheken seien aber wie wohnortnahe Praxen „Teil der Daseinsfürsorge“ und „Elemente der Gesundheits-Infrastruktur“, erinnert die Noweda. „Telemedizin und Versandhandel sind kein Ersatz für persönliche Behandlung und Beratung, auch wenn an dem Geschäft interessierte Konzerne und Investoren dies anders sehen mögen“, so Kuck. Patienten seien die Gefahren für die Apotheke vor Ort dagegen vielleicht nicht so bewusst.

Und deshalb will die Noweda auch die Ärzte ins Boot holen und für die eigene Kampagen begeistern. Kucks Brief lag ein Plakatmotiv bei, das die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke thematisiert. „Wenn Ihnen das Motiv gefällt, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie es in Ihrem Wartezimmer aufhängen“, so die Bitte der Noweda. Bei Bedarf schickt die Noweda das Plakat auch „gerollt und knickfrei“ verschiedenen Formaten bis zu DIN A2. Dass das Ganze für die Ärzte kostenlos ist, hätten diese vermutlich auch so erwartet, trotzdem wird es noch einmal explizit erwähnt.

Kucks Appell zum Schluss: „Lassen Sie uns gemeinsam darüber informieren, wie wichtig es für jeden Einzelnen ist, eine funktionierende, patientennahe Gesundheitsversorgung ‚sofort-vor-Ort‘ zu haben.

Der Noweda-Chef macht keinen Hehl daraus, dass die Idee zu der Ausweitung der Aktion nicht beim Großhändler geboren wurde. Die Anregung kam von Sylke Bergmann, Inhaberin der Margareten-Apotheke in Münster. Das Noweda-Mitglied fand die Plakataktion in den Apotheken vor einem Jahr gut, wollte aber auch die Kollegen in weiß einbinden.

Bergmann über ihre Motivation: „Apotheker und Ärzte leisten beide eine unverzichtbare Arbeit für unsere Gesellschaft. Ärzte legen die optimale Behandlung für ihre Patienten fest und Apotheker leisten mit ihrem Wissen und ihrer Beratung rund um die Arzneimitteltherapie ebenfalls einen entscheidenden Beitrag zu Genesung und Prophylaxe. Die Zusammenarbeit der beiden Berufsgruppen funktioniert sehr gut – ich persönlich schätze den konstruktiven Austausch mit den Arztpraxen sehr. Zugleich finde ich aber, dass man das Bewusstsein für diese Partnerschaft noch vertiefen kann.“

Ihre Anregung, auch die Arztpraxen über die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken zu informierensei beim Noweda-Vorstand auf offene Ohren gestoßen. Zwar würden die Ärzte auch mitbekommen, dass immer mehr Apotheken schließen müssten. „Doch dass die Vor-Ort-Apotheken gerade durch das EuGH-Urteil aus 2016 zunehmend gefährdet sind und dass nur ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel die flächendeckende Versorgung schützen kann, ist vielen nicht bewusst“, so Bergmann.

Der Versandhandel als vermeintliche Alternative erbringe zahlreiche Leistungen der Apotheken nicht in dem benötigten Umfang. Auch Schnelligkeit und persönlicher Kontakt seien entscheidende Merkmal der Vor-Ort-Apotheken. „Ich freue mich daher, dass Noweda die Ärzte aktiv über das Thema informiert. Letztlich steht bei beiden Berufsgruppen das Patientenwohl im Vordergrund“, so Bergmann.

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