Apothekenkooperationen

Linda macht sich hübsch

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Berlin -

Die Apothekenkooperation Linda will ab April bei ihren Mitgliedern Geld einsammeln. Wie bei der letzten Finanzierungsrunde sollen bis zu 2,4 Millionen Euro zusammenkommen; anstelle von Genussrechten sollen diesmal aber Vorzugsaktien ausgegeben werden. Auf diese Weise will man sich in Köln womöglich für größere Investitionen wappnen.

Ein Jahr nach Gründung der Aktiengesellschaft hatte Linda im Jahr 2010 unverbriefte Genussrechte ausgegeben. Für 300 Euro konnten die MVDA-Mitglieder einsteigen. In der Spitze waren 7200 Genussrechte im Umlauf, bis zu 2,2 Millionen Euro waren dadurch in der Kasse.

Für die Apotheker war das Investment hochprofitabel. Jährlich winkten 6 Prozent Zinsen über dem Vergleichszinssatz plus Gewinnbeteiligung von 1 Prozent – alleine im vergangenen Jahr wurden im Durchschnitt 7,53 Prozent ausgezahlt, also rund 160.000 Euro insgesamt. Ende September liefen die Verträge aus, die Genussrechte wurden danach zurückbezahlt.

Das Problem bei dieser Art der Finanzierung: Genussrechte gelten nicht als Eigen-, sondern als Fremdkapital. Entsprechend sackte die Eigenkapitalquote der Kooperation nach der Emission ab – auf zeitweise unter 10 Prozent. Auch nachdem die Rücklagen in den vergangenen Jahren aufgefüllt wurden, lag Linda zuletzt mit 28 Prozent noch ein großes Stück vom selbst gesteckten Ziel von 35 Prozent entfernt, das nach Angaben des Managements für „finanzielle Unabhängigkeit“ steht.

Abgesehen davon, dass das bei den Mitgliedern geliehene Geld teuer erkauft war – von den Banken hätte Linda angesichts der schlechten Eigenkapitalquote vermutlich keine größeren Beträge bekommen. Denn das Geschäftsmodell von Apothekenkooperationen ist vielen Geldhäusern nach wie vor suspekt. Da spielt es offenbar auch keine Rolle, dass Linda nach eigenen Angaben im Verbund mit dem MVDA rund 20 Prozent des Umsatzes im deutschen Apothekenmarkt auf sich vereint.

Mit Vorzugsaktien sieht die Welt freilich ganz anders aus: Ziehen die Mitglieder mit, könnte die Kooperation ihr Eigenkapital auf einen Schlag verdoppeln. Gibt es dann auch noch – wie geplant – eine externe Kontokorrentlinie, wäre Linda plötzlich nicht nur Großkunde seiner Lieferanten, sondern auch ein potenzieller Investor. Es dürfte nicht allzu lange dauern, bis der eine oder andere Dienstleister, der einen festen Partner braucht oder ganz verkaufen will, in Köln anklopft. Schon früher hatte sich Linda beispielsweise für das Geschäft der Rechenzentren interessiert.

Im vergangenen Geschäftsjahr machte Linda rund 18 Millionen Euro Umsatz; zusammen mit den 2,6 Millionen Euro, die im Rahmen des Bonifizierungsprogramms ausgeschüttet und daher nicht auf die Erlöse angerechnet wurden, kommt die Kooperation also auf Einnahmen von knapp 21 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent davon entfallen auf Mitgliedsbeiträge und freiwillige Umsätze der Apotheker mit Linda, weitere 30 Prozent aus Verträgen mit der Industrie. Der Rest sind „interne“ Umsätze innerhalb der MVDA-Gruppe.

Im jährlichen Vergleich gibt es gelegentlich Schwankungen: So lagen die Umsätze im vorangegangenen Jahr etwas niedriger; Grund war der Jubiläumsbonus, der zu einer Gesamtausschüttung von drei Millionen Euro führte. 2011/2012 dagegen hatte die Teilnahme am Pick-up-Konzept „Vorteil24“ – einem „hochprofitablen Geschäftsmodell“ – dagegen den Umsatz um 15 Prozent auf 19,5 Millionen Euro in die Höhe schnellen lassen.

Für das laufende Jahr sind Umsätze zwischen 17,5 und 18,5 Millionen Euro geplant, wegen höherer Ausgaben soll der Gewinn allerdings von zuletzt 1,2 Millionen Euro auf 300.000 bis 600.000 Euro deutlich sinken. Das Eigenkapital soll auch ohne Kapitalerhöhung von 2,6 auf 2,8 bis 3,1 Millionen Euro ausgebaut werden.

Die Gremien haben der Ausgabe der Vorzugsaktien bereits zugestimmt; im April soll die Hauptversammlung das Vorhaben durchwinken. Dann muss sich Linda zwar den strengen Regeln des Kapitalmarkts unterwerfen – mit dem ehemaligen Cheffinanzier der Anzag, Helmut Trahmer, an der Spitze, sollte das aber kein Problem sein.

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