Hilfe zur Selbsthilfe

Uganda: Unsere kleine Apothekenfarm Tobias Lau, 05.05.2019 12:58 Uhr

Berlin - Mit dem Bus sechs Stunden zum Großhändler fahren, Tabletten immer nur so ausgeben, wie sie gerade gebraucht werden und wenn keine Patienten kommen, schnell die Kühe melken: Im ugandischen Dorf Opit ist das Apothekerinnenleben beschwerlicher als hierzulande. Dass die strukturschwache Gegend überhaupt eine funktionierende Arzneimittelversorgung hat, ist dem sächsischen Filmemacher Michael Rischer zu verdanken. Er hat den Aufbau ermöglicht – geschaffen hat das Werk Apothekerin Molly Obuku.

Eigentlich war Rischer für ein ganz anderes Projekt in Uganda. Für die Kriegskinderstiftung drehte er im Norden des Landes eine Dokumentation über die Opfer von Warlord Joseph Kony. Der hatte die Region mit seiner Miliz Lord‘s Resistance Army (LRA) über Jahrzehnte terrorisiert: Die christlichen Fundamentalisten wollten in Zentralafrika einen Gottesstaat errichten und gingen dafür über mehr als 100.000 Leichen. Rund 66.000 Kinder hat die LRA verschleppt und als Kindersoldaten missbraucht – über sie drehte Rischer einen Film in der von 20 Jahren Bürgerkrieg gebeutelten Region.

„Wir haben dort eine Gegend ohne jegliche Infrastruktur erlebt“, erinnert er sich an den Besuch Ende 2012. „Die ehemaligen Kindersoldaten standen nach dem Krieg auf der Straße, hatten nie eine Schule besucht, konnten nur schießen.“ Die entscheidende Begegnung hatte Rischer im Krankenhaus des kleinen Ortes Anaka. In dem Hospital herrschten erschreckende Zustände. Essen gab es nicht. Angehörige von Patienten mussten zum Krankenhaus kommen, um für sie vor dem Tor zu kochen. „Das Hospital bot kaum Service, lediglich den Kindern nahm man Blut ab, um HIV-positiv oder -negativ festzustellen“, erklärt der Filmemacher. „Die Stationen für die Malariakranken waren überbelegt und überall herrschte Chaos.“

Beim Gang um das Krankenhaus fiel ihm dann Molly auf. „Sie saß da und hat ihr vier Monate altes Kind in einem Plastikeimer gewaschen“, erinnert er sich an die erste Begegnung. Molly Obuku ist jedoch nicht nur fürsorgende Mutter, sondern auch Apothekerin. In der ugandischen Hauptstadt Kampala hat sie Pharmazie studiert und danach die Krankenhausapotheke in Anaka geleitet. Es entstand eine kleine Freundschaft, mehrfach besuchten Rischer und seine Begleiter die Pharmazeutin abends in ihrer runden Lehmhütte; man vereinbarte, Kontakt zu halten.

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