US-Arzneimittelbehörde

FDA-Chef tritt zurück

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Berlin -

Zwei Jahre lang war Scott Gottlieb Chef der US-Arzneimittelbehörde FDA. Jetzt verabschiedet er sich: „Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben, in den ich Ihnen mitteile, dass ich im nächsten Monat meinen Job als Leiter der Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel aufgeben werde“, schreibt der ehemalige Pharmamanager seinen Mitarbeitern.

Am 11. Mai 2017 wurde Gottlieb von US-Präsident Donald Trump als 23. Chef der FDA und Nachfolger von Robert Califf vereidigt, zuvor war der Arzt leitender Berater und später Vize der US-Arzneimittelbehörde. In nur einem Monat ist Schluss. Über die genauen Gründe ist derzeit nichts bekannt. Gottlieb teilt seinen Mitarbeitern jedoch in einem Tweet mit: „Es gibt wahrscheinlich nichts, was mich von dieser Rolle abhalten kann – außer die Herausforderung, seit zwei Jahren von meiner Familie getrennt zu sein und meine Frau und meine drei kleinen Kinder zu vermissen.“

Dem Vernehmen nach soll der Umzug des FDA-Chefs bereits seit Monaten in Planung sein und Gottlieb wöchentlich zwischen Job und Familie von Connecticut nach Washington pendeln. Gottlieb dankt seiner Familie für die Unterstützung und das Opfer, das sie die letzten zwei Jahre gebracht haben.

Trump lobte Gottlieb via Twitter. Er habe absolut hervorragende Arbeit geleistet. „Scott hat uns dabei geholfen, die Arzneimittelpreise zu senken, eine Rekordzahl an Generika erhalten und auf den Markt gebracht und vieles mehr. Er und seine Talente werden sehr fehlen.“ Lob kommt auch von Gesundheitsminister Alex Azar: Gottlieb sei ein „vorbildlicher Anführer der öffentlichen Gesundheit, ein aggressiver Verfechter für amerikanische Patienten und leidenschaftlicher Förderer von Innovationen“.

Während seiner Amtszeit hatte der Mediziner eine Vielzahl von Zulassungen für Behandlungen und Arzneimittel erteilt. Ein weiteres Ziel Gottliebs war es, die Opioidkrise zu bekämpfen und das Rauchen von E-Zigaretten bei Jugendlichen einzudämmen.

Doch nicht alle waren von Gottliebs Arbeit begeistert. Dem FDA-Chef wird vorgeworfen, Entscheidungen aus finanziellen Interessen für die Industrie und nicht im Interesse der öffentlichen Gesundheit getroffen zu haben. Umstritten ist vor allem die Zulassung des Opioid-Analgetikums Dsuvia (Sufentanil, AcelRx Pharmaceuticals) in Zeiten der andauernden Opioidkrise. Das Arzneimittel ist zehnmal stärker als Fentanyl und darf nur in zertifizierten medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern, chirurgischen Zentren oder Notfallabteilungen angewendet werden. Dsuvia wird voraussichtlich noch im ersten Quartal als Sublingualtablette zu 30 µg in einem vorgefüllten Applikator zur einmaligen Anwendung auf den Markt kommen.

Zuletzt wurde Gottlieb außerdem heftig kritisiert, nicht genug für das Eindämmen des E-Zigarettenkonsums bei Jugendlichen getan zu haben. Dabei sollte die Mission „Teen Veep“ den Konsum eindämmen und E-Zigaretten nur noch in bestimmten Geschäften erhältlich sein. Dies sollte den Zugang für Jugendliche einschränken und die Attraktivität der Produkte mindern.

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