Medizinalhanf

Cannabis auf Rezept: Österreich diskutiert Deniz Cicek-Görkem, 04.04.2018 14:49 Uhr

Berlin - Während hierzulande Patienten seit mehr als einem Jahr Cannabisblüten zulasten der Krankenkasse verordnet bekommen können, sieht bei den Nachbarn anders aus: Der Verkauf von Hanfsamen und -pflanzen soll verboten werden, andererseits wird auch über eine Liberalisierung der Blüten zu medizinischen Zwecken nachgedacht. „In Österreich wird derzeit intensiv diskutiert“, schreibt die österreichische Tageszeitung „Der Standard“.

In Österreich findet Cannabis therapeutisch in Form von Reinsubstanzen oder synthetischen Derivaten Verwendung. Die Blüten sind zu medizinischen Zwecken noch nicht freigegeben, doch das könnte sich ändern. Aktivisten leiteten mit 10.000 Unterschriften die parlamentarische Medical Cannabis Bürgerinitiative ein. Diese fordert die „Straffreistellung von Besitz und Erzeugung von Cannabis(-produkten) bei Patienten mit entsprechender medizinischer Indikation“ und damit die Novellierung des Suchtmittelgesetzes durch den Nationalrat. Nach Angaben der Zeitung haben bislang 3695 Personen diese Initiative mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Anfang März brachte die Liste Pilz, eine vom ehemaligen Grünen-Abgeordneten Peter Pilz gegründete Wahlpartei, außerdem einen Entschließungsantrag zur Liberalisierung von Cannabis in der Medizin ein. Der Abgeordnete Peter Kolba sowie dessen Kollegen begründen ihren Antrag mit: „In Österreich leben derzeit rund 1,5 Millionen Schmerzpatienten. Sie werden oft mit schweren Medikamenten behandelt, die enorme Nebenwirkungen haben. Als Alternative dazu sind bisher nur synthetische Cannabis-Extrakte verfügbar, also Präparate mit den Inhaltsstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD). Dronabinol etwa kostet für einen Tumorpatienten 500 bis 600 Euro im Monat, die nur fallweise von den Krankenkassen übernommen werden.“

Weiterhin erklären sie: „Präparate aus beziehungsweise mit Cannabisblüten kommen nicht nur billiger, sie wirken auch besser, da die Pflanze mehr als 500 Inhaltsstoffe enthält, also weitaus mehr als die Medikamente aus synthetischen Stoffen, die derzeit legal sind. Medizinisch nachgewiesen ist, dass Cannabisblüten effektiv wirken und dass die Einnahme nicht süchtig macht. Cannabisblüten müssen nicht geraucht werden. Sie können als Extrakt eingenommen werden, vaporisiert oder als Tee. Einer Gesundheitsgefährdung durch Rauch kann somit begegnet werden.“

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