Wegen des Fotos: Apotheker wartet seit 10 Monaten auf HBA

, Uhr
Berlin -

Kommende Woche soll die Einführung des E-Rezepts beginnen – und Apotheker Achim Terberger hat noch nicht mal einen elektronischen Heilberufsausweis (HBA). Dabei hatte er sich rechtzeitig darum gekümmert: Bereits im August hatte er ihn beantragt. Doch die Bundesdruckerei kriegt es einfach nicht hin, seit mittlerweile zehn Monaten lässt sie ihn warten, zwei Anträge wurden storniert, bald muss er zum dritten Mal das Postident-Verfahren durchlaufen. Und das alles nur, weil sein Passfoto auf der Seite lag.

Es ist nicht so, als hätte Terberger als AvP-Geschädigter in der Coronakrise gerade keine anderen Sorgen. Doch seit Monaten muss sich der Inhaber der St. Elizabeth Apotheke in Geilenkirchen nun auch noch mit einer Bürokratieposse um seinen HBA herumschlagen. „Ich weiß auch nicht, warum ich immer so ein Pech anziehe“, sagt er. Denn eigentlich hatte er alles richtig gemacht: Im August hatte er seinen Antrag verschickt, Anfang September erhielt er Rückmeldung, dass die Bundesdruckerei den Auftrag samt Vorgangsnummer angelegt hat. „Das heißt, dass das in der Mache war, da hätte es doch schon geprüft worden sein müssen.“

Es folgte das Postident-Verfahren zur Authentifizierung – und dann erst einmal nichts. Anfang Oktober erhielt er erneut eine Benachrichtigung, dass sein Antrag erfolgreich angelegt worden sei. „Da wurde der Antrag also schon zum zweiten Mal bearbeitet – nur einen HBA habe ich nicht bekommen.“ Mitte Oktober dann die Aufforderung, das Postident-Verfahren noch einmal abzuschließen – „dabei hätte da doch bereits alles fertig sein müssen“, sagt er. Doch sei es drum, er kam der Aufforderung nach, schließlich dachten zu der Zeit auch noch alle Apotheken, dass sie ab dem 1. Juli schon E-Rezepte empfangen können.

Dann wartete er. Und wartete und wartete. „Zwischenzeitlich habe ich mich bei ein paar Kollegen umgehört, wie lange es bei denen gedauert hat, bis sie ihren HBA erhalten haben. Die sagten mir, zwei bis drei Monate. Da waren es bei mir schon fast fünf“, erzählt er. Also fragte er Ende Januar nach, wo sein Ausweis bleibt. Mehr als drei Wochen später erhielt er dann eine Antwort: Der Antrag wurde erfolgreich angelegt. Wieder passierte nichts. Dutzende Anrufe und E-Mails blieben unbeantwortet. „Telefonisch war da nie jemand zu erreichen und auf E-Mails wurde nicht geantwortet“, sagt er. Langsam reichte es ihm, Terberger wendete sich an seine Kammer. Die versprach immerhin, dem Fall nachzugehen und sich für ihn einzusetzen.

Und tatsächlich: Knapp eine Woche später erhielt er das erste Mal eine Rückmeldung, woran es eigentlich hakt: „Das von Ihnen hochgeladene Foto entspricht leider nicht den qualitativen Anforderungen und kann daher, im Sinne eines hochwertigen Sichtausweises, nicht auf Ihren eHBA gedruckt werden“, heißt es in einer Mail von D-Trust. Der Grund der vermeintlichen „qualitativen“ Mängel: Das Passfoto lag auf der Seite, es war um 90 Grad gedreht. „Wir benötigen zwingend ein vertikales Passfoto. Daher müssen wir Sie bitten einen komplett neuen Erstantrag zu stellen, mit korrektem Passfoto.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Karl, der Mal-sehen-wie-Große»
Mehr Transparenz in der Lieferkette
EMA bekommt Engpass-Datenbank»
Streit um das Millionenprojekt
LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»