Kassenärzte sagen E-Rezept-Roll-out ab

Schleswig-Holstein: Apotheker begrüßen Ausstieg

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Berlin -

Der Apothekerverband Schleswig-Holstein unterstützt den Ausstieg der Kassenärzte aus dem Roll-out des E-Rezepts ab September. „Der Datenschutz der Versicherten steht an oberster Stelle“, sagt Verbandschef Hans-Günter Lund. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) argumentiert mit Bedenken des Landesdatenschützers gegen den Versand von QR-Codes per E-Mail.

Ab September sollte die Einführung des E-Rezepts einen neuen Schwung bekommen. Als erste Regionen waren Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe ausgewählt worden: Die Arztpraxen waren angehalten, auf Papierrezepte zu verzichten und digitale Verordnungen auszustellen. Die KVSH zog jetzt kurz vor dem Start die Reißleine: Da der Versand von QR-Codes via Mail auf datenschutzrechtliche Bedenken gestoßen war, blieben jenseits des Papierausdrucks kaum praktikable Alternativen.

Versichertendaten schützen

Beim Apothekerverband bedauert man zwar die Entwicklung, kann die Ärzt:innen aber verstehen: „Es ist schade, dass es so gekommen ist, aber der bequemere Weg ist nicht immer der richtige“, sagt Lund. „Wir müssen verhindern, dass Drittanbieter außerhalb des Systems ‚Irgendetwas‘ mit Daten der Versicherten machen können.“ Heutzutage seien Daten „das neue Gold“ und die im Gesundheitswesen Tätigen müssten besonders dafür Sorge tragen, dass diese daher vor unberechtigtem Zugriff geschützt seien.

Die Entscheidung der KVSH sei richtig und werde durch den Apothekerverband unterstützt. Die Kund:innen müssten sich auf die Heilberufler:innen verlassen können. Der Apothekerverband heiße „unsichere Verfahren nicht gut“, betont Lund. „Es geht darum, dass wir die Telematikinfrastruktur nicht kompromittieren, wenn wir Dritte reinlassen.“ Solange die Sicherheitsfrage nicht geklärt sei, sei der Standpunkt der Ärzteschaft nachvollziehbar.

Die KVSH bezieht sich auf eine Mitteilung des Unabhängigen Zentrums für Landesdatenschutz (ULD). Demnach sei die mailbasierte Umsetzung des E-Rezeptes untersagt. Damit sei der für Patient:innen praktikabelste Transportweg versperrt: „Der Nutzen des E-Rezepts liegt für Arztpraxen im Komfort der bürokratiearmen Erstellung und für Patienten in der Einsparung mehrfacher Wege, was insbesondere für Menschen in ländlichen Bereichen vorteilhaft wäre. Beides kann momentan nicht erreicht werden“, so die Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke.

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