Bericht einer Zingster Praxis

800 E-Rezepte, keins per App

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Berlin -

Bislang konzentriert sich das Testen des E-Rezept bundesweit auf wenige Praxen. Zu den besonders aktiven Ärzten zählt Carsten Wendt. Der Allgemeinmediziner hat in seiner Praxis schon mehr als 800 E-Rezepte ausgestellt, wie er der Ostsee Zeitung verriet. Nur die App der Gematik ist dabei noch kein einziges Mal zum Einsatz gekommen.

Wendt ist überzeugt, dass vor allem die Patient:innen von der Digitalisierung profitieren. Sie könnten sich Wege sparen und ihre Medikamente per App in der Apotheke ihrer Wahl bestellen und sich idealerweise liefern lassen. „Auch den Gang zum Arzt können Erkrankte weglassen, wenn sie die Videosprechstunde nutzen oder es sich um Folgerezepte handelt“, so der Mediziner. Dadurch werde auch die Praxis entlastet.

Auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist Wendts Praxis aktuell die einzige, die E-Rezepte ausstellt. Die Testphase könne gar nicht vernünftig laufen, weil nicht genügend Ärzte und Apotheken mitmachten, kritisiert Wendt. In der benachbarten Strand-Apotheke in Zingst sind die Prozesse auch schon eingespielt, doch bei den Patient:innen hat sich die digitale Alternative noch nicht herumgesprochen: „Obwohl ich bereits Hunderte elektronische Rezepte ausgestellt habe, war bislang niemand mit der App dabei“, berichtet Wendt. Also wird aktuell immer der QR-Code ausgedruckt oder ein herkömmliches Rezept ausgestellt.

Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Axel Pudimat, stellt sogar den Sinn des E-Rezeptes grundsätzlich infrage – denn viele Chroniker:innen besäßen gar kein Smartphone. In seiner Rostocker Apotheke seien bislang erst drei E-Rezepte eingelöst worden, sagte er der Ostsee-Zeitung. Und dass die App der Gematik nicht genutzt wird, liegt aus seiner Sicht daran, dass die Anmeldung und Verknüpfung mit der eGK zu kompliziert sei.

Tatsächlich dominieren nur wenige Praxen bundesweit den Test des E-Rezepts. Der Allgemeinmediziner Moritz Eckert, der in Herzberg im Harz eine Gemeinschaftspraxis betreibt, hat seinen Prozess so gut es geht aufs E-Rezept umgestellt. Wann immer möglich erhalten die Patient:innen hier einen QR-Code als Rezept. Auch Dr. Nicolas Kahl aus Nürnberg setzt auf digitale Verordnungen. Er stellt jeden Tag mehr E-Rezepte aus als durchschnittlich in der gesamten bisherigen Testphase auf eine Praxis entfallen.

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