Rezeptversand: Praxis feilscht wegen 80 Cent – umsonst

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Berlin - Die Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten wird im Moment auf eine Belastungsprobe gestellt. Gut eingespielte Abläufe und Absprachen rentieren sich jetzt. Vielerorts klagen Apotheken jedoch über unkooperative Praxen, die ihnen ihre ohnehin schwere Arbeit derzeit noch verkomplizieren. Eines der häufigsten Probleme: Wie kommen die Rezepte von der Praxis in die Apotheke, wenn der Patient sie nicht selbst bringt oder Änderungen nötig sind? Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat da bereits vor einer Woche Abhilfe geschaffen und bezahlt den Ärzten das Porto. Aber das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Es gibt Praxen, die selbst in Zeiten der Corona-Krise noch wegen 70 Cent feilschen.

Ärzte erledigen keine Tätigkeit, für die es keine Abrechnungsziffer gibt, lästert man oft im Gesundheitswesen. Was nicht vergütet wird, wird nicht gemacht. Vor allem deshalb ist das Faxgerät in den meisten Praxen noch das Kommunikationsmittel der Wahl: Dafür gibt es Geld, für eine E-Mail nicht. Viele Ärzte verhalten sich in den aktuellen Krisenzeiten allerdings absolut angemessen und suchen nach einem vernünftigen Modus Operandi mit den umliegenden Apotheken. Manch ein Pharmazeut muss sich dennoch in allem akuten Stress auch noch mit den umliegenden Praxen herumschlagen.

Joachim Eggers ist so einer. Der Inhaber der Nordsee-Apotheke in Hamburg rauft sich die Haare über manche Arztpraxen, mit denen er zusammenarbeitet. Eine von ihnen teilte ihm diese Woche mit, dass sie ab sofort bis Ende April nur noch vormittags geöffnet ist. „Okay, kann man machen, aber in der derzeitigen Situation wird eigentlich jeder Arzt gebraucht“, sagt er. Da er die genauen Hintergründe, warum eine Praxis mit zwei Ärzten nun halbtags geschlossen bleibt, nicht kennt, wolle er sich allerdings kein Urteil dazu erlauben. Das Problem ist schließlich auch ein anderes.

Denn es gibt eine Vereinbarung zwischen der Hamburger Apothekerschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zum Schutz von Risikopatienten durch eine Minimierung des physischen Kontakts. Patienten können deshalb Rezepte telefonisch bestellen und die Praxen können sie dann per Fax an die Apotheken schicken – und tun das auch ausgiebig. „Im Moment werden wir mit solchen Faxen überhäuft“, sagt Eggers. Der Botendienst holt die Rezepte dann auf seiner Nachmittagstour ab und bringt sie in die Apotheke. Das geht jedoch nun nicht mehr, da jene Praxis – eine von Eggers Hauptverordnern – ja nachmittags geschlossen ist.

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