Angriff auf konserviertes Spike-Protein

Nanopartikel: Universal-Impfstoff gegen alle Corona-Varianten?

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Berlin -

Forscher:innen aus den USA entwickeln eine neue Art von Impfstoff, der universell gegen alle Corona-Varianten wirken soll. Das Potenzial der Vakzine könnte die Pandemie nachhaltig verändern. Besonders ist dabei der Angriff des Impfstoffes auf die nicht mutierenden Bereiche des Virus.

Nanopartikel-Impfstoffe mit nicht-mutierten Virusstücken könnten die Abwehr so trainieren, dass sie auch künftige Erreger-Varianten des Corona-Virus erkennen. Der Universalimpfstoff-Kandidat könnte so auch gegen Sars-CoV-2-Stämme schützen, die in den aktuellen Vakzinen noch nicht enthalten sind beziehungsweise nicht verwendet wurden.

Dem Team um Alexander Cohen vom California Institute of Technology (Caltech) gelang die breite Immunisierung dadurch, dass es das Immunsystem auf das Erkennen von bleibenden, nicht mutierenden Bereichen des Virus trainierte. Anhand von Untersuchungen an Mäusen und nichtmenschlichen Primaten konnte belegt werden, dass der Impfstoff an sogenannten konservierten Virusbereichen des Spikeproteins seine Wirkung entfaltet.

Impfstoffe mit 60 Antigenen

Diese Bereiche decken sich über Artengrenzen hinweg und bleiben auch bei den vielen Varianten des Coronavirus weitgehend gleich. Das lässt die Notwendigkeit der ständigen Anpassung der Impfstoffe sinken, da bisherige Impfstoffe eher am variablen Bereich des Spike-Proteins angreifen. Das Immunsystem erkennt konservierte Antigenbereiche schlechter als die variablen Regionen, dies gab Anlass zur Entwicklung eines Universal-Impfstoffes. Durch das Aufbringen von bis zu 60 verschiedenen Antigenen auf der Oberfläche des Nanopartikel-Impfstoffes lässt sich ein breiter Fächer zum Training des Immunsystems vorlegen.

Die Ergebnisse, erschienen in der Fachzeitschrift Science, belegen zudem, dass der neuartige Impfstoff die Versuchstiere nicht nur vor den Delta- und Beta-Varianten schützen konnte, sondern auch vor menschlichen Sars-CoV-1-Viren abschirmte. Weitere Daten zur breiten Einsatzfähigkeit sollen folgen.

Noch jahrelange Arbeit

Skeptischer hingegen reagierte der Virologe Professor Dr. Klaus Stöhr. „Leider werden die universellen Antikörper keine Lösung für die Impfstoffe der näheren Zukunft sein“, schrieb er bereits im Juli auf Twitter. Er prognostizierte: „Diese Antikörper werden in den nächsten Jahren nicht zur Praxisreife gelangen. Selbst, wenn das gelingen sollte, müssten die Impfstoffkandidaten noch getestet werden. Bis zu deren Einsatz könnten noch Jahre vergehen.“

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