Karnevalssitzung Heinsberg: Wie kam es zum Hotspot?

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Berlin - Mit der Karnevalssitzung im Februar 2020 in Heinsberg nahm die Corona-Pandemie auch in Deutschland ihren Lauf. Die Veranstaltung gilt hierzulande als erstes Super-Spreader-Ereignis, aus dem zahlreiche Ansteckungen hervorgingen. Mit heutigem Wissensstand wurde die Feier nun erneut unter die Lupe genommen und analysiert.

Rund 450 Menschen hatten im vergangenen Jahr im nordrhein-westfälischen Heinsberg wie gewohnt ihre Karnevalssitzung gefeiert. An Sars-CoV-2 dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Doch mindestens eine Person muss bereits infiziert gewesen sein, denn in den Wochen nach der Feier stieg die Zahl der Infizierten im Kreis Heinsberg stark an. Ein Team um den Virologen Professor Dr. Hendrik Streeck von der Universität Bonn hat sich das Ereignis nun mit aktuellem Wissenstand erneut angeschaut.

Kein Abstand, keine Maske

Das Einhalten eines Mindestabstandes und das Tragen von medizinischen Masken zum Schutz war im Februar 2020 noch in weiter Ferne. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass sogar regelmäßige Coronatests und eine Impfung gegen Covid-19 auf dem Plan stehen würden. Dementsprechend ausgelassen und bedenkenlos wurde damals in Heinsberg noch gefeiert.

Der Saal, in dem die Feier abgehalten wurde, ist rund 320 Quadratmeter groß. 43 Tische mit rund 450 Menschen fanden ihren Platz darin. Umgerechnet kommen damit auf einen Quadratmeter etwa 1,4 Personen. Die Besucher saßen somit eng gedrängt an den Tischen. Wie an Karneval üblich wurde viel Alkohol ausgeschenkt und ausgiebig geschunkelt.

An einer Stirnseite des Raumes befand sich die Bühne, an der anderen die Bar. Rund fünf Stunden dauerte die Veranstaltung. Sie wurde nur durch eine einzige Pause unterbrochen. Die Luftqualität im Raum war damit sehr schlecht. Zwar sollte eine Klimaanlage für „frische Luft“ sorgen, diese ersetzte allerdings nur 25 Prozent der Luft durch Außenluft. Die Filter der Anlage seien zudem technisch nicht in der Lage gewesen Viren abzuhalten. Da Karnevalssitzungen bekanntermaßen laut sind, blieben die Fenster aus Lärmschutzgründen geschlossen. Alles in allem eine ideale Brutstätte für ein neuartiges Virus wie Sars-CoV-2.

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