Die Corona-Apotheke der EU

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Berlin - Im Rennen um möglichst viel Corona-Impfstoff steht immer wieder das kleine Belgien im Fokus - auch wenn es mal hakt. In dem Königreich wird ein großer Teil der Vakzine für die EU produziert. Warum?

Der Ort, der maßgeblich zum Sieg über das Coronavirus beitragen soll, wirkt ziemlich trist. Graue Container reihen sich aneinander, in der Nähe raucht ein Schornstein. Doch am Rande des Industriegebiets der belgischen Stadt Seneffe, im Werk des US-Laborausrüsters Thermo Fisher, wird ein entscheidender Bestandteil des Astrazeneca-Impfstoffs gegen Covid-19 hergestellt.

Belgien steht im Rennen um möglichst viel Impfstoff besonders im Fokus. Obwohl das Land nur rund 11,5 Millionen Einwohner hat, spielt es bei der Herstellung und Verteilung der Vakzine eine herausragende Rolle – und gerät besonders ins Blickfeld, wenn es bei der Produktion hakt. Zwei der drei in der EU zugelassenen Impfstoffe werden hier in großen Teilen hergestellt. Neben Astrazeneca setzt auch der US-Konzern Pfizer auf das Königreich. Und das britische Unternehmen GSK will einen seiner größten Standorte im belgischen Wavre nutzen, um Curevac bei der Impfstoff-Produktion zu unterstützen. Weshalb gerade Belgien?

Die Pharmaindustrie investiert in Belgien nach offiziellen Angaben jedes Jahr mehr als 1,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Das entspricht 40 Prozent aller privaten Forschungsinvestitionen in dem Land – belgischen Behörden zufolge ist das etwa doppelt so viel wie der europäische Durchschnitt. Die Zahl der Forschenden und Beschäftigten in der Branche ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, wie Zahlen des belgischen Pharmaverbandes zeigen. Mehr als 10 Prozent aller belgischen Exporte sind Pharmazeutika.

Knapp eine Autostunde nördlich von Seneffe, im Herzen Flanderns, liegt die Gemeinde Puurs-Sint-Amands. Hier produziert Pfizer nach eigenen Angaben 400 Millionen Impfdosen und injizierbare Medikamente pro Jahr. In dem Werk verarbeitet und veredelt der Biontech-Partner auch den mRNA-Wirkstoff, etikettiert, verpackt und lagert Ampullen und Fläschchen mit dem Covid-19-Impfstoff in besonderen Gefrierschränken. Jüngst war das Werk wegen umbaubedingter Lieferverzögerungen in den Schlagzeilen.

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