Delta-Variante: Laborstudien zeigen abgeschwächte Wirkung von Comirnaty

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Berlin - Die erstmals in Indien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.617.2, welche mittlerweile als Delta-Variante bezeichnet wird, sorgt noch immer für Unruhe. Während zunächst von einer recht guten Impfstoffwirkung ausgegangen wurde, zeigen Laborstudien aus Großbritannien im Fachjournal „Lancet“ nun ein anderes Bild: Demnach kommt es durch das Vakzin von Biontech/Pfizer nur zu einer abgeschwächten Immunität – das Virus breitet sich weiter aus.

In England ist die Delta-Variante innerhalb kürzester Zeit zur häufigsten Form von Sars-CoV-2 geworden. Dabei hat sie sich schneller ausgebreitet als alle Virusvarianten zuvor: In der vergangenen Woche sind die Zahlen in England und Schottland weiter angestiegen, die Sorge vor einem erneuten, exponentiellen Wachstum ist groß. Vor allem der Schutz durch die Impfungen spielt nun eine große Rolle: Zwar sind die bisherigen Ergebnisse der „Siren-Studie“ – welche knapp 45.000 Menschen alle zwei Wochen mit PCR-Tests untersucht – günstig, dennoch deuten Studien des Francis Crick Instituts aus London auf eine abgeschwächte Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty gegen die Variante hin.

Die Forscher:innen untersuchten die Serumproben von 250 Personen, die eine oder beide Dosen des Impfstoffes erhalten hatten. Im Labor wurde untersucht, ob die Viren von einer Infektion der Zellen abgehalten werden können. Das Ergebnis: Selbst die Probanden mit zweifacher und damit vollständiger Impfung erreichten nur 5,8-fach geringere Antikörpertiter gegen die Delta-Variante als gegen den Wildtyp. Auch gegen die Beta- und Gamma-Variante kam es zu abgeschwächten Titern.

Dem Team zufolge könnten die Ergebnisse eine Erklärung dafür liefern, dass sich die Delta-Variante in den vergangenen Wochen trotz steigender Impfquoten weiter ausbreitet. Da die Antikörpertiter mit der Zeit und dem Alter der Geimpften nachlassen, weisen die Forscher:innen zudem auf die Notwendigkeit weiterer Auffrischungen für die Aufrechterhaltung des Impfschutzes hin.

Personen, die an der Delta-Variante erkranken, sind nach bisherigen Erkenntnissen insgesamt häufiger von schweren Verläufen betroffen. Das Hospitalisierungsrisiko ist laut der Regierungsbehörde Public Health England (PHE) erhöht. Unklar ist bisher, ob sich die Variante der natürlichen Immunität entziehen kann. Klar sei jedoch, dass die Delta-Variante über einen beträchtlichen Wachstumsvorteil verfüge und vermutlich die Vorherrschaft übernehmen werde.

Vor etwa zwei Wochen hatte eine Studie von PHE noch andere Daten geliefert als die aktuellen Laboruntersuchungen: Der Impfstoff von Pfizer/Biontech schützt demnach zwei Wochen nach der zweiten Dosis mit 88-prozentiger Effektivität gegen eine Erkrankung durch B.1.617.2., verglichen mit 93 Prozent bei der britischen Variante. Bei AstraZeneca liegt die Wirksamkeit gegen eine Erkrankung durch B.1.617.2 bei 60 Prozent, verglichen mit 66 Prozent bei B.1.1.7. Beide Impfstoffe wiesen den Angaben zufolge drei Wochen nach der Erstimpfung eine 33-prozentige Effektivität bei B.1.617.2 auf, während sie bei der britischen Variante zu dem Zeitpunkt jeweils bei rund 50 Prozent lag.

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