Beatmung, ja oder nein?

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Berlin - Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat in Anlehnung an die Empfehlungen des Nationalen Ethikrates eine S1-Leitlinie zur palliativmedizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten entwickelt. Wichtiger inhaltlicher Punkt ist die Entscheidung für intensivmedizinische Maßnahmen. Die Leitlinie verweist darauf, dass diese Entscheidung nicht aufgrund des Alters des Patienten getroffen werden kann. Im Fokus sollten der Wille des Patienten und das Vorliegen einer nicht heilbaren lebenslimitierenden Erkrankung stehen.

Bei der Entscheidung über eine palliativmedizinische Therapie von Covid-19-Patienten sollten neben der vorliegenden nicht heilbaren Erkrankung auch der Wille des Patienten im Fokus stehen. Um Ärzten und Pflegekräften das Vorgehen zu erleichtern, hat die DGS eine S1-Leitlinie zur palliativmedizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten entwickelt. Die Autoren setzen die Gesamtsituation des Patienten in den Fokus: Ob eine intensivmedizinische Versorgung aufgenommen wird oder nicht, sollte nicht allein vom Alter des Patienten abhängen.

„Jedes menschliche Leben genießt den gleichen Schutz“, heißt es in den Empfehlungen des Nationalen Ethikrats in Anlehnung an das Grundgesetz, und zwar unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion, Herkunft und Alter. „Daher darf der Staat auch in Ausnahmezeiten nicht vorschreiben, welches Leben in einer Konfliktsituation vorrangig zu retten ist“, sagt Norbert Schürmann, Autor der neuen S1-Leitlinie und Vizepräsident der DGS. Er betont: „Das Alter stellt keine Begründung für eine Behandlungsrestriktion dar.“

Therapiezielfestlegung

Die Therapiezielfestlegung sollte mehrdimensional erfolgen. Die DGS hat hierfür fünf Fragen ausgearbeitet, die bei der Entscheidung für oder gegen eine intensivmedizinische Behandlung abgefragt werden sollten.

  • Hat der Patient eine nicht heilbare, lebenslimitierende Erkrankung?
  • Gibt es bei dem individuellen Patienten angesichts seiner Gesamtsituation eine medizinische Indikation für intensivmedizinische Behandlung und/oder eine invasive Beatmungstherapie?
  • Liegt eine Patientenverfügung vor?
  • Hat der Patient eine palliative Grunderkrankung?
  • Liegt eine Vorausplanung zur Therapiezieländerung nach Advance-Care-Planning-Standard vor?

Falls eine Intensiv- oder Beatmungstherapie nicht indiziert ist, sollte der Patient palliativ versorgt werden. Gleiches gilt auch, wenn eine intensivmedizinische Betreuung nicht dem in der Patientenverfügung geäußerten Willen des Patienten entspricht. Auch dann sollte der Betroffene auf einer Palliativstation, in einem Hospiz, durch ein Palliativteam oder den Hausarzt versorgt werden.

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