Impfstoff-Bestellung

Zwischen Großauftrag und Kapazitätsgrenze

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Berlin -

Erstmals haben die Praxen bei ihren Apotheken Impfstoff-spezifisch bestellt. Vielerorts zeigt sich, dass trotz der Aufhebung der Priorisierung in einigen Ländern vor allem Comirnaty von Biontech angefragt wird. Apotheken berichten, dass die Höchstmengen an Vials nicht ausgeschöpft werden. Andere geben dagegen Großaufträge bei ihrem Großhändler ab.

Der Prozess der Impfstoffbestellung scheint – trotz der stetig neuen Vorgaben – mittlerweile eingespielt. Apotheken berichten von reibungslosen Abläufen und Rückmeldungen ihrer Arztpraxen. In dieser Woche können die Mediziner:innen erstmals frei entscheiden, welchen Impfstoff sie bestellen. In Mönchengladbach fragen die Ärzt:innen in der Laurentius Apotheke vor allem nach Comirnaty. „Der Impfstoff von AstraZeneca hat keinen so guten Ruf“, sagt Apothekerin Rebekka Pech. Es sei viel mehr Aufklärungsarbeit nötig, um ihn zu verimpfen.

Und diese Zeit haben die Praxen offenbar nicht. Das zeigt sich auch daran, dass nicht die Höchstmengen bestellt wurden. Die Organisation wegen der Priorisierung sei schwer für die Praxisangestellten umzusetzen, bedauert Pech. Es stecke viel Bürokratie dahinter, die relevanten Personen herauszusuchen, anzuschreiben und von ihnen die nötigen Formulare einzuholen. „Wir wären viel schneller, wenn wir ohne Priorisierung impfen würden und auch die Betriebs- und Privatärzte impfen ließen.“

Dann könnten die Ärzte allen Patienten, die ohnehin kämen, eine Corona-Schutzimpfung anbieten. Eine Praxis habe schon darum gebeten, dass zwei Belieferungen pro Woche hilfreich wären. Denn eine Verimpfung von Comirnaty sei bis zu 120 Stunden nach Beginn des Auftauprozesses möglich. Der letzte Tag entfalle nach der aktuellen Lieferroutine auf Samstag. Da haben die Praxen aber geschlossen. Am Montag kann so in der Regel nicht geimpft werden.

Anstrengend für die Apothekenangestellten seien auch die kurzfristigen Änderungen wie etwa der Wegfall des Impfstoffes von Janssen und die Aufstockung des Präparats von AstraZeneca. „Da wundert man sich schon, warum nicht vorher mehr von AstraZeneca zur Verfügung stand.“

In einzelnen Bundesländern wie Berlin wurde die Priorisierung für eine Impfung mit AstraZeneca aufgehoben. Eine Apotheke in einem Ärztehaus in der Hauptstadt lieferte schon in dieser Woche insgesamt 80 Vials. Die Nachfrage sei so hoch gewesen, weil die Fachärzte in dieser Woche miteingestiegen seien. Zuvor wurde vor allem bei Hausärzt:innen geimpft. Die Apotheke habe die Praxen darauf aufmerksam gemacht, dass alle Ärzte impfen könnten. „Auch die Öffnung der Priorisierung bringt richtig was“, sagt die Apothekerin. Es gebe allerdings auch einen Mediziner im Haus, der den Impfstoff von AstraZeneca ablehne und einen Kinderarzt, der naturgemäß keine Verwendung für dieses Vakzin habe.

Auch in Sachsen wurde die Priorisierung für Vaxzevria aufgehoben, um mehr Menschen eine Impfung mit dem Vakzin zu ermöglichen. In einer Chemnitzer Apotheke ist die Nachfrage nach dem Impfstoff nicht spürbar. Die Apotheke Borna von Claudia Rabe beliefert eine Praxis. „Bei uns läuft alles unproblematisch.“ Für kommende Woche sei aber nur Biontech bestellt worden – sechs Vials wurden angefordert. Zuvor sei das Verhältnis 1:1 eingehalten worden.

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