Das Geschäft mit den Billigwindeln

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Berlin - Die Versorgung von Kassenpatienten mit Inkontinenzprodukten bleibt ein Zankapfel. Während die Kassen finden, dass auch die Billigwindel ihren Zweck erfüllt, fühlen sich die Betroffenen um ihre Leistung betrogen. Die Markenhersteller halten sich mit Kritik zurück – weil sie auch die Discountvarianten liefern. Viele Apotheken haben den Bereich bereits abgeschrieben.

Inkontinenzprodukte auf Kassenrezept kommen in den Apotheken heute nur noch selten vor. So berichtet ein Inhaber aus Hessen: „In Akutfällen, zum Beispiel nach Prostata-OPs, sind die Billigwindeln in Ordnung.“ Für den Langzeitgebrauch hingegen sei die Qualität der Kassenwindel nicht zumutbar. Er kenne keinen einzigen Versicherten, der nicht sofort auf eine Premium-Variante umgestiegen sei. Habe ein Patient bereits eine Pflegestufe erreicht und verliere nicht nur einzelne Tropfen Urin, könnten die Produkte nicht benutzt werden. Besonders im stationären Bereich sei die Situation katastrophal.

Ihm seien auch Fälle bekannt, in denen Vertragspartner der Kassen nicht die benötigte Stückzahl an Windeln geliefert hätten. Die Versicherten müssten sich in solchen Fällen meist juristisch wehren. Eingeplant würden oft nur drei Windeln pro Tag sowie zwei Netzhosen im Monat. In Fällen von mittel bis stark ausgeprägter Inkontinenz sei das einfach zu wenig.

Als Schuldige für die Preisspirale hat der Apotheker die Hilfsmittelversender ausgemacht, die sich mit Dumping-Preisen an den Ausschreibungen beteiligten. Er vermutet, dass die Kassen durch ihre Aufsichtsbehörde zum Sparen verpflichtet sind. Seiner Meinung nach kann das Dilemma nur politisch gelöst werden; insofern freue er sich, dass das Thema inzwischen auch in Berlin wahrgenommen werde.

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