Abgezockt und ausgeliefert

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Berlin - Krankenkassen unterbieten sich gegenseitig, wenn es darum geht, ihre Versicherten mit Windeln zu versorgen. 15 Euro für einen kompletten Monatsbedarf: Jeder Kaufmann erkennt sofort, dass das nicht funktionieren kann. Über einen Trick holt sich der Ausschreibungsgewinner den Fehlbetrag zurück. Nach dieser Logik könnte es irgendwann sogar Geld für den Zuschlag geben. Die Kassen liefern ihre Versicherten dem Windel-Kartell aus.

Selektivverträge mit bestimmten Versorgern unterlaufen das ökonomische Prinzip von Angebot und Nachfrage. Auf diese Weise ist ein Windel-Kartell entstanden, dem Kassenpatienten schutzlos ausgeliefert sind: Die gesetzlich Versicherten können ihre Rezepte nur beim Vertragspartner ihrer Kasse einlösen – und der kann jenseits des Erstattungsbetrags seine Preise frei gestalten. Je schlechter das Produkt, desto größer ist der Druck für die Versicherten, als Selbstzahler auf die Premiumalternative umzusteigen.

Dass die Kassen mit den Geldern ihrer Versicherten haushalten müssen, versteht sich von selbst. Aus gutem Grund sitzen die GKV-Vertreter als erste am Tisch, wenn Gesundheitsreformen ausgearbeitet werden. Mitunter stammen die Texte sogar aus ihrer Feder. Das ist solange hinzunehmen, wie sie sich als Vertreter der Versichertengemeinschaft verstehen. Doch die Inkontinzenversorgung zeigt, wie schnell die Kassen aus reiner Gier ihre eigenen Mitglieder verraten.

Niemand erwartet, dass Kassen Patienten mit Inkontinenz Windeln mit Blattgold zur Verfügung stellen. Doch ist ein Produkt, das seinen Zweck im Alltag erfüllt, bereits Luxus? Die Kassen nehmen eine schlechte Versorgung in Kauf, damit ihnen möglichst gar keine Kosten entstehen. Und die Masche hat Erfolg, weil die schlimmsten Abkassierer mit den geringsten Ausgaben belohnt werden.

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