Mystery Shopping

Wenn Pharmafirmen Apotheken testen Eugenie Ankowitsch, 21.08.2018 10:22 Uhr

Berlin - Nicht nur Apotheker selbst wollen wissen, was ihre Kunden über sie denken. Auch Pharmaunternehmen schicken Testkunden in die Apotheke. Dabei geht es ihnen einerseits um den Endkunden, andererseits aber auch darum, zu überprüfen, ob Apotheker sich tatsächlich an Vereinbarungen halten.

Immer wieder schicken Pharmahersteller Apotheken Aktionsmaterialien unterschiedlichster Art. Über so manche Aktion besteht sogar eine vertragliche Vereinbarung. Darin werden Apotheker beispielweise verpflichtet, einen Aufsteller für eine bestimmte Dauer an einem bestimmten Ort zu platzieren, um das Aktionsprodukt zu bewerben. Doch nicht jeder Apotheker hält sich offenbar an solche Absprachen. So seien im Durchschnitt solche Aufsteller tatsächlich in nur 35 Prozent der Apotheken verfügbar, lautet das Ergebnis einer Case-Studie von POSpulse, einem Marktforschungsunternehmen aus Berlin.

„Compliance Tracking“ nennt das Unternehmen sein an die Pharmaindustrie gerichtete Angebot. Damit will man sichern, dass die Produkte „gemäß definierter Standards“ präsentiert werden. Will ein Hersteller überprüfen, ob Apotheken sich an die Abmachungen tatsächlich halten, schickt POSpulse Testshopper in rund 1000 Apotheken deutschlandweit und verspricht „volle Transparenz durch Fotodokumentation und direkter Filialzuordnung“.

Naturgemäß wissen Apotheken von solchen getarnten Testern nichts. „Manche Hersteller vereinbaren in den Verträgen, dass es solche Besuche geben kann“, erläutert Elena Bergmann, Senior Sales Management von POSpulse. „Wir als ausführendes Organ nehmen keinen Kontakt mit Apotheken auf.“ Sollte es dazu kommen, dass Shopper als Testkunden enttarnt werden, hätten sie die Anweisung, sich zu erkennen zu geben. Dabei werde allerdings nur POSpulse und nicht der eigentliche Auftraggeber genannt, sodass der betroffene Apotheker auch dann nicht erfährt, welcher Hersteller ihm da genau auf die Finger schauen wollte. „Aber uns ist es noch nie passiert, dass ein Tester aufgeflogen ist“, beruhigt Bergmann. „Manchmal wird der eine oder andere Apotheker skeptisch. Aber das war es dann auch schon.“

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