Lockerungspläne und Hotspots

Test-Apotheken: Kurzfristig Öffungszeiten und Personal anpassen

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Berlin -

Apotheken mit Testzentren stellen sich auf weniger Kundschaft ein. Grund sind die geplanten Lockerungen: Mit den Änderungen am Infektionsschutzgesetz (IfSG) sollen ab dem 20. März die meisten Corona-Beschränkungen wie Testpflichten wegfallen. Für regionale Hotspots sollen die Länder zwar eigene Regeln definieren; wie darauf zu reagieren ist, wissen die Inhaber:innen bis jetzt nicht. „Ich habe keine Ahnung, das ist wie immer und typisch in der Pandemie“, sagt Apothekerin Sylwia Spaniel aus Bayern.

Viele Apotheken mit Teststellen wollen zunächst an ihrem Angebot festhalten. Die Betriebe haben zuletzt vielerorts bewiesen, dass sie flexibel auf steigende und sinkende Testnachfragen reagieren können. Auch jetzt fehlt vielen die Planungssicherheit. „Wir machen weiter und ändern erst einmal wenig“, sagt Spaniel von der Löwen-Apotheke in Feuchtwangen. „Ich bestelle nicht mehr Tests für drei Monate, sondern habe nur Material für einen Monat hier.“

Hohe Positiv-Rate

Die Teststelle sei auch für die 30 Angestellten praktisch, da sie sich dort auf eine Infektion mit Covid-19 untersuchen ließen. Das Personal bleibe zunächst ebenfalls an Bord. „Sie haben viele Überstunden.“ Denn die vergangenen vier Wochen seien „der Wahnsinn“ gewesen. Die Nachfrage sei deutlich gestiegen, die Teststelle sei mitunter sogar ausgebucht gewesen. Auch die bundesweit hohen Inzidenzwerte spiegeln sich in Feuchtwangen wider. „Wir hatten einen Tag, an dem die eine Hälfte positiv, die andere negativ war. So etwas gab es noch nie.“

Die Bürgertestungen machen Spaniel zufolge weiterhin Sinn: Während von Mai bis August 2021 kein Getesteter infiziert gewesen sei, seien die Positivzahlen im November hochgeschnellt. „Da hatten wir plötzlich 26 an einem Tag.“ Der Rekord in diesem Jahr seien 130 positiv getestete Kund:innen gewesen. Auch wenn die Teststelle deutlich Mehrarbeit mache, lohne sich das Angebot. „Es hat uns viel Kundschaft gebracht, trotz Last und Stressfaktor.“

Auch Apotheker Roman Bastian wird sein Testzentrum weiter betreiben. Das Angebot werde an die Nachfrage angepasst, sagt der Inhaber der Apotheke am Markt in Krefeld. „Bis jetzt sind wir uns noch unsicher, wie abgerechnet wird oder welche Gruppen genau kostenfrei weiter getestet werden dürfen.“ Vermutlich werde es wie beim letzten Mal laufen. Fraglich sei, welche Kund:innen künftig die Schnelltests selbst bezahlen müssten oder ob beispielsweise Nachweise für Heim- und Klinikbesuche weiter vom Bund übernommen würden. Gerade werde abgestimmt, wie es weiter geht – leider gebe es keine Informationen. „Klar ist, dass wir deutlich weniger Personal im Testfeld benötigen und vermutlich auch die Öffnungszeiten kürzen werden.“

Planungssicherheit wünscht sich auch Apotheker Dr. Stefan Hartmann. Der Inhaber der St. Vitus-Apotheke in Gilching sitzt gerade mit seinem Team zusammen und bespricht, wie es mit dem Testen weiter gehen wird. Grundsätzlich könne er die Öffnungszeiten sowie das Personal kurzfristig anpassen. Aktuell testet er an sieben Tagen die Woche. Genug Schnelltests seien noch vorhanden. „Wir können flexibel reagieren.“

Fehlende Planungssicherheit ist „ein Skandal“

Hartmann kritisiert, dass es keine Informationen für Teststellenbetreiber gebe. „Das ist ein Skandal.“ Ihn treibt eine weitere Frage um: Seine Teststelle ist von der Gemeinde beauftragt. Dort hieß es zuletzt sogar, dass die Testverordnung Ende März auslaufe und er sich darauf vorbereiten solle. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) wiederum teilte auf Anfrage mit, dass es derzeit keine Frist gebe.

Bürgertests sollen laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auch über den 20. März hinaus angeboten werden. „Wir werden Bürgertests natürlich weiter zur Verfügung stellen“, sagte Lauterbach in der Bundespressekonferenz (BPK). Dies sei schon mit Blick auf die hohe Inzidenz wichtig. Aber auch für die weitere Bekämpfung werden sie seiner Ansicht nach von erheblicher Bedeutung sein: „Wir können das Infektionsgeschehen ohne Tests nicht ableiten und Hotspots definieren.“ Wie die Testzentren bei einbrechender Nachfrage wegen wegfallender Testpflichten wirtschaftlich betrieben werden können, sagte er nicht.

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