Vergütung für Apotheken sinkt

Spahn stellt Maskenhonorar in Frage

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellt im Interview mit der Tagesschau Apotheken für die Abgabe von FFP2-Masken an Empfänger von Sozialleistungen weniger als 6 Euro in Aussicht. (Ab Minute 15:49) Foto: Andreas Domma
Berlin -

Apotheken könnten in den kommenden Wochen einen weiteren Ansturm auf FFP2-Masken erleben. Nach Risikopatienten sollen auch Hartz-IV-Empfänger Masken in der Offizin abholen. Wann die Aufforderungsschreiben verschickt und wie sie abgerechnet werden, ist noch nicht bekannt. Auch die Höhe der Vergütung ist noch unklar: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte vorab aber klar, dass es sich nicht – wie bei den Risikogruppen – um 6 Euro handeln werde. Auch das bisherige Maskenhonorar will er noch einmal prüfen.

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Die FFP2-Maskenpflicht gilt seit dem 19. Januar bundesweit in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen. Deshalb sollen jetzt auch Hartz-IV-Empfänger zehn Masken über Apotheken beziehen können. Ein Engpass ist Spahn zufolge nicht zu erwarten: Die Marktlage habe sich im Vergleich zur Situation vor einem Jahr entspannt, sagte er gestern. „Deswegen gehe ich davon aus, dass wir einen deutlich niedrigeren Preis dort werden ansetzen können in der Verordnung.“

Anfang Dezember sei die Vergütung der Apotheken in der entsprechenden Verordnung „unter dem Eindruck der damaligen Marktlage festgelegt“ worden. „Sie müssen sehen, wir haben mit dieser Verordnung einen Zusatzbedarf von über 400 Millionen FFP2-Masken ausgelöst.“ Das habe weltweit Auswirkungen auf die Marktpreise gehabt. Das BMG will auch prüfen, ob die Vergütung für Masken für Risikogruppen, die aktuell noch ausgegeben werden, noch einmal neu kalkuliert wird. Spahn sagte, er werde „möglicherweise“ der Preis für die Masken, „die jetzt noch in der Ausgabe sind an die vulnerablen Gruppen, für einen Teil eben auch noch nach unten hin anpassen“.

Eine konkrete Summe nannte er nicht. Zuvor wolle man sich die Vertriebskosten genau ansehen. Man könne nicht den „Herstellerabgabepreis vergleichen mit dem Endpreis“, betonte er. Darin seien nicht nur die Mehrwertsteuer, sondern Vertriebsstufen und die Beratung dabei. Diese sei für viele „sehr, sehr wichtig“ für den richtigen Umgang mit der FFP2-Maske. Er stellte jedoch klar, dass die Zahl niedriger ausfallen werde: Es werde „weniger sein als 6 Euro, weil die Marktlage das hergibt“.

Ob die Apotheken auch rückwirkend weniger Geld für Masken an Risikogruppen erhalten, die noch nicht ausgegeben worden sind, soll sich in den kommenden Tagen entscheiden. Spahn betonte jedoch, dass es einen „Vertrauenserhalt“ bei denen gebe, die Vorräte angelegt hätten.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass es keine Schutzgebühr für die Masken an Hartz-IV-Empfänger geben werde. Er sei Spahn dankbar, dass er den „geübten Weg“ über die Apotheken nutzen könne, um die Maskenversorgung sicherzustellen. Wie dies konkret aussehen soll und was das Schreiben der Kassen an die Bezugsberechtigten genau enthält, war auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Die Apotheker warnen unterdessen vor Preisdebatten: Forderungen der Politik, das Abgabehonorar von derzeit 6 Euro je Maske zu kürzen, weist Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. zurück: „Die Apotheken haben seit einem Jahr ihre ganze Kraft in die Pandemiebekämpfung gesteckt. Trotz Lieferengpässen und Lockdowns haben sie die flächendeckende Arzneimittelversorgung jederzeit gesichert. Im Dezember haben die Apotheken zudem die Herkulesaufgabe angenommen, von einem Tag auf den anderen zig Millionen FFP2-Masken zu beschaffen, vorzufinanzieren und kostenlos an Risikopatienten abzugeben. Dabei haben sie natürlich auf Basis der zugesagten Vergütung kalkuliert. Jetzt inmitten der zweiten Phase der Maskenverteilung über eine abrupte Honorarkürzung zu sprechen, ist für die Kolleginnen und Kollegen ein fatales Signal und erschüttert ihr Vertrauen in die Zusagen der Politik.“

Ähnlich argumentiert Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR): „FFP2-Masken tragen maßgeblich zu sinkenden Infektionszahlen bei. Deshalb ist die Entscheidung der Bundesregierung zu begrüßen, auch Sozialhilfe-Empfänger mit kostenlosen FFP2-Masken zu versorgen.“ Gleichzeitig fordere man die Politik auf, zügig eine für alle praktikable Umsetzung in die Wege zu leiten. Denn die Ankündigung habe schon zu ersten Nachfragen in den Apotheken geführt.

 

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