Pillen vom Autoschalter

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Berlin - Im Jahr 2005 eröffnete die erste Apotheke mit einem Drive-in-Schalter. Seitdem haben etliche Kollegen in ganz Deutschland entsprechende Abgabefenster eingerichtet. Viele dieser Apotheken werben mit dem Autoschalter. Denn häufig ist er ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht nur die Zeitersparnis ist ein gutes Argument für die Drive-in-Apotheke. Auch Senioren, Menschen mit Behinderung oder Familien mit kleinen Kindern dürften den Service zu schätzen wissen: kein Parkplatzsuchen, kein Aussteigen, alles geht ganz einfach und schnell vom Auto aus.

Bereits 1999 gab es in Deutschland einen ersten Vorstoß, einen Autoschalter in einer Ulmer Apotheke einzurichten. Doch der Inhaber scheiterte an der damaligen Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). Erst sechs Jahre später, im Jahr 2005, stellte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) dann aber vor dem Hintergrund des mittlerweile zugelassenen Versandhandels klar, dass Außenschalter einer Apotheke keinen Verstoß gegen die ApBetrO darstellten.

Im gleichen Jahr eröffnete in Hamburg dann die Alphapoint-Apotheke den ersten deutschen Apotheken-Autoschalter. „Ich war früher oft in den USA“, berichtet Inhaber Dr. Ulf Haverland. „Dort hab es solche Drive-through-pharmacies schon lange.“ Nachdem in Deutschland das Verbot für Drive-in-Apotheken fiel, konnte er seine Idee in der Alphapoint-Apotheke, die er im Jahr 2002 von seinem Vater übernommen hatte, endlich umsetzten.

Mehr als 70.000 Euro hat der Umbau seinen Angaben nach gekostet. Im August 2005 kam der erste Kunde. Mit dem Fahrrad. Nun, zwölf Jahre später, werden laut Haverland rund 100 Kunden täglich am Autoschalter bedient: Autofahrer, Radfahrer, Motorradfahrer, Mütter mit Kindern und Tierhalter, die denken, dass ihr Hund in der Offizin nicht erlaubt ist, aber ihren Liebling nicht draußen allein lassen wollen. Der Apotheker ist überzeugt, dass er durch den Autoschalter zahlreiche zusätzliche Kunden gewinnen konnte.

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