Noscapin-Hustensaft: Geldstrafe für Rezepturfehler

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Berlin -

Im österreichischen Wiener Neustadt wurde eine Apothekenmitarbeiterin zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen verurteilt, weil sie bei der Herstellung von Noscapin-Hustensaft einen schweren Fehler begangen hat. Sie hatte zwei Flaschen verwechselt und dem Kinderhustensaft Atropin hinzugefügt. Ein zwei- und ein fünfjähriges Kind mussten deshalb im Januar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Für die beiden Filialleiter, in deren Apotheken der Fehler geschah, ist der Fall damit aber noch nicht abgeschlossen.

Der Fall hatte in Österreich Anfang des Jahres für Aufsehen gesorgt – nicht zuletzt, weil es dauerte, bis die Ursache gefunden war. Zwei Kleinkinder aus Wiener Neustadt hatten Mitte Januar Vergiftungserscheinungen erlitten, nachdem sie Hustensäfte aus zwei Apotheken in Wiener Neustadt zu sich genommen hatten. Mit vergrößerten Pupillen und Atemkrämpfen mussten sie ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) hatte daraufhin dringend vor der Einnahme von Noscapin-haltigen Hustensäften gewarnt, die rezepturmäßig in Apotheken hergestellt wurden. Denn schnell war klar, dass es sich um eine Verunreinigung mit Atropin handelte, allerdings nicht, wie die zustande kam. Die Apothekerkammer hatte die Apotheken zunächst über die Sperrung der Ausgangssubstanz von Gatt-Koller mit der Chargennummer 19.00428 informiert. Es stand der Verdacht im Raum, dass die Verunreinigungen auf den Tiroler Lieferanten zurückzuführen seien.

Das Landesgericht Wiener Neustadt hatte deshalb ein Gutachten bei einem Sachverständigen für Chemikalien in Auftrag gegeben, das zu dem Schluss kam, dass das gelieferte Noscapin nicht der Grund für die Vergiftungen war. Da der Hersteller entlastet werden konnte und der Wirkstoff allen Spezifikationen entsprach, konnten bereits hergestellte Säfte oder Zäpfchen daraufhin wieder bedenkenlos abgegeben und angewendet werden. Apotheker sollten Eltern darüber aufklären, dass bereits angebrochene Zubereitungen den Kindern weiterhin gegeben werden können.

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