Negativzinsen: Apobank führt Verwahrungsentgelt ein

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Berlin -

Wegen der anhaltenden Negativzinsen führt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) nun auch für ihre Privatkund:innen ein Verwahrungsentgelt ein. Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, muss 0,5 Prozent zahlen.

Seit Juni 2014 verlangt die Europäische Zentralbank (EZB) von Banken einen negativen Zins für deren Einlagen. Dieser liegt laut Apobank aktuell bei 0,5 Prozent pro Jahr. Während Großkunden wie die Versorgungswerke bereits seit 2017 von Verwaltungsgebühren betroffen sind, hat die Apobank im Privatkundengeschäft bislang auf die Weitergabe der Kosten verzichtet – auch wenn dies den Zinsüberschuss belastet hat, wie eine Sprecherin erklärt. „Unser Ziel war es, unsere Kunden vor Verwahrgebühren so lange wie möglich zu schützen.“

Doch mittlerweile seien immer mehr Wettbewerber dazu übergegangen, Verwahrgebühren von ihren Kund:innen zu verlangen. Alleine 2020 seien 230 Banken dazu gekommen, insgesamt seien es rund 500 Institute. In der Folge hätten Kund:innen ihre Guthaben von anderen Banken umgeschichtet, so die Sprecherin weiter. „Um den hohen Mittelzufluss zumindest zu begrenzen, hat die Apobank nun entschieden, perspektivisch Verwahrentgelte auch bei Privatkunden zu vereinnahmen.“

Ab dem 1. April kommenden Jahres wird daher auch die Apobank Verwahrentgelte verlangen. Die Gebühr liegt bei 0,5 Prozent und gilt für Beträge auf Giro- und Tagesgeldkonten. Jede Kundin und jeder Kunde erhalte einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro je Betrieb; dieser kann auf Privat- und Geschäftskonto verteilt werden. „Die betroffenen Kund:innen werden von der Apobank in den kommenden Monaten kontaktiert und um Unterzeichnung der erforderlichen Vereinbarung gebeten.“

Man sei zuversichtlich, mit dieser Vorgehensweise eine „für alle Seiten akzeptable und im Marktvergleich sehr moderate Lösung“ gefunden zu haben. Schon in den kommenden Wochen werde man zunächst auf Kunden mit hohen Einlagebeständen zugehen, um über eine individuell passende Liquiditätsstrategie zu sprechen. „Wir werden unsere Kunden aktiv beraten, inwieweit sie ihre Liquidität so steuern können, dass sie im besten Fall wieder positive Renditen vereinnahmen und Verwahrentgelte vermeiden können“, so die Sprecherin. Dabei gehe man individuell vor und spreche auch über Anlagealternativen, zum Beispiel die Produkte der hauseigenen Vermögensverwaltung.

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