Bayern

Gemeinde baut Praxis und Dorfapotheke

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Berlin -

Dentlein am Forst ist genau das, wonach es klingt: ein sehr kleiner Ort in Bayern. 853 Einwohner zählt das fränkische Dorf, knapp 2500, wenn man die umliegenden Dörfer der Marktgemeinde dazu rechnet. Die nächstgrößere Stadt ist Feuchtwangen mit rund 12.000 Einwohnern. Dentlein hat das typische Profil einer Region, in der die ländliche Versorgung zusammenbricht. Aber nicht in Dentlein: Die Gemeinde hat es geschafft, dass sich ein Arzt und eine Apotheke neu angesiedelt haben.

Der einzige Arzt im Ort hatte seine Praxis aus Altersgründen geschlossen. Einen Nachfolger hatte Dr. Wolfgang Winter nicht gefunden, sein Sohn wollte lieber weiter in einer Klinik in der Stadt arbeiten. Bürgermeister Friedrich Wörrlein wollte sich damit nicht zufrieden geben und kümmerte sich selbst um die Sache. Der Gemeinderat beschloss 2011 den Bau einer eigenen Praxis.

Auch als es mit der ersten Medizinerin nicht klappte, ließ Wörrlein nicht locker und telefonierte so lange, bis er einen neuen Arzt gefunden hatte. Über einen Kontakt fand er den Allgemeinmediziner Jörg Pabst. „Ich habe ihm gleich die Baupläne der Praxis gemailt, damit er sich das Ganze angucken kann“, erzählt Wörrlein.

Der heute 41-Jährige aus Nürnberg willigte ein. Er hatte kein Problem damit, aufs Land zu ziehen – im Gegenteil. Er genießt den entspannten Lebensrhythmus und fühlt sich als Landarzt durch und durch. Die Gemeinde vermietet die Praxisräume zu günstigen Konditionen.

Doch es gab noch eine Klippe zu umschiffen: Bis Pabst seine Facharztprüfung abgelegt hatte, sprang Winter ein und arbeitete noch ein halbes Jahr als Arzt, genauer gesagt als Sicherstellungsassistent in einer Zweigstellenpraxis. Bürgermeister Wörrlein musste viel dazulernen in dieser Zeit. Seit März 2012 führt Pabst die Praxis selbst. Und er hat gut zu tun: Zwei Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte arbeiten in seiner Praxis am Ahornweg.

Doch damit war Wörrlein noch nicht zufrieden. Jetzt wollte er auch eine Apotheke in dem kleinen Ort ansiedeln. Er sprach Dr. Stefan Spaniel an, der im benachbarten Feuchtwangen die Löwen-Apotheke betreibt, ob er nicht eine Filiale in dem Ort eröffnen wolle.

Zunächst war Spaniel skeptisch. Doch schließlich ließ er sich von Wörrlein, mit dem er auch persönlich verbunden ist, überzeugen und sagte zu. Wieder half die Gemeinde. Das Gebäude der Arztpraxis wurde erweitert, direkt nebenan wurden Räume für die Apotheke gebaut. Die „Freifläche für Apotheke“ hatte der Gemeinderat vorsorglich schon in den Bauplänen vermerkt.

Da die Gemeinde zu sehr fairen Preisen vermiete, könne sich die Offizin lohnen, meint Spaniel, dessen Frau ebenfalls Pharmazie studiert hat. Da der Arzt noch sehr jung, „vom Typ her ein idealer Landarzt“ und zudem mit einer Ortsansässigen verheiratet sei, glaubt Spaniel an einen Erfolg. Sollte der Betrieb der Filiale komplett unwirtschaftlich sein, hat die Gemeinde dem Apotheker eine Ausstiegsklausel aus dem Mietvertrag gewährt.

Derzeit ist Spaniel in den letzten Zügen der Vorbereitung. Ende August soll die Apotheke öffnen. Bei der Einrichtung habe er ebenfalls Geld gespart, berichtet Spaniel. Er hat den polnischen Einrichter Apteka beauftragt und ist sehr zufrieden: „Die Apotheke kam in einem LKW und wird in zehn Tagen aufgebaut.“ Design und Preis/Leistungs-Verhältnis stimmten.

Bei den Öffnungszeiten will sich Spaniel zunächst an der Arztpraxis ausrichten. Das heißt, Mittwochnachmittag bleibt die Apotheke geschlossen und an den anderen Tagen gibt es eine lange Mittagspause. Samstags will der Apotheker vielleicht nur für zwei Stunden öffnen.

Ein für jede Apotheke wichtiges Thema ist zum Glück schon geklärt: Acht Parkplätze wurden bereits für Praxis und Apotheke errichtet. Jetzt sollen ein Behindertenparkplatz ausgewiesen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite weitere Parkplätze erschlossen werden. In Dentlein am Forst ist die Versorgung gesichert.

Und auch der Ort will profitieren: „Von der Apotheke erhoffe ich mir nicht nur Mietrückflüsse, sondern auch Gewerbesteuer“, sagt Wörrlein. Zudem werde die Kaufkraft im Ort gestärkt.

„Wir haben jetzt ein eigenes medizinisches Versorgungsunternehmen“, sagt Wörrlein. Ein Zentrum sei es noch nicht, aber es spreche nichts dagegen, noch einen Physiotherapeuten nach Dentlein zu holen. Als nächstes will der Bürgermeister aber einen Supermarkt anlocken. So soll die Erfolgsgeschichte der Gemeinde, die vor Jahren noch ein Sanierungsfall war, fortgesetzt werden.

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