Kommissionierer

Ich bin dir verfallen

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Berlin -

Apotheker müssen das Verfalldatum jedes Arzneimittels an Lager kennen. Denn nach dem Qualitätsmanagement dürfen keine abgelaufenen Packungen an Lager sein, sondern müssen in die Quarantäne. Das kann bei Kommissionierautomaten zum Problem werden, wenn sie vollautomatisch einlagern. Die Hersteller haben hierfür Lösungen entwickelt, die aber nicht überall verfügbar sind.

Die vollautomatische Einlagerung war der nächste logische Schritt in der Entwicklung der Kommissionierer. Die namhaften Anbieter bieten wenigstens für ihre größeren Modelle immer eine entsprechende Lösung an. Die Arzneimittel werden einfach in eine Schütte oder auf ein Laufband gelegt, der Automat scannt selbstständig den Barcode und pflegt das Arzneimittel in den Bestand ein.

Das Verfalldatum ist allerdings in der Regel nur aufgedruckt oder eingestanzt. Nur bei Packungen mit 2D-Code kann es vom Scanner mit ausgelesen werden. Allerdings nutzen nur etwa 15 Prozent der Hersteller diese Technik bereits. Erst mit der verbindlichen Umsetzung von Securpharm wird der 2D-Code Pflicht.

Marktführer Rowa (Becton Dickinson) hatte als erster Anbieter auf dieses Problem reagiert und bereits zur Expopharm 2015 eine Kamera-Lösung vorgestellt. Auch KLS war im vergangenen Jahr schon ziemlich weit mit einer eigenen Entwicklung. Die Konkurrenz hatte damals noch abgewinkt – man wollte lieber auf den 2D-Code warten. Inzwischen haben die anderen Anbieter nachgezogen oder stehen kurz davor. Allerdings gibt es die Erfassung zuweilen nur für das jeweils neueste Modell der Hersteller.

Rowa etwa bietet für die zweite Generation seiner Einlagerungsautomatik „Prolog“ ein Zusatzmodul. Das Verfalldatum mit einer Kamera zu erkennen, ist kein großes Problem für die optische Zeichenerkennung (OCR-Software, englisch für: optical character recognition). Entscheidend ist, dass an der richtigen Stelle gesucht wird, notfalls muss diese vom Apotheker markiert werden. Die Software merkt sich die Position auf der Packung für die nächste. Das System ist vernetzt, so dass alle Anwender von jeder neuen Definition profitieren.

Einem Rowa-Sprecher zufolge sind heute mehr als 90 Prozent der üblichen deutschen Packungen in der Datenbank. Ein Berliner Apotheker berichtet, wie schnell die Quote in seiner Apotheke gestiegen ist. Jede Apotheke habe eben doch ihre Besonderheiten im Sortiment, die bei den Kollegen nicht vorkomme, berichtet er. Je mehr Apotheken sich beteiligen, desto schneller wächst die Datenbank. In Deutschland gibt es laut Rowa mehr als 100 Installationen mit dieser Technologie. Eine hundertprozentige Erfassung ist aber nicht zu erwarten, da es auch an der Qualität des Aufdrucks hapern kann.

KLS aus Weiskirchen hat zusammen mit der Firma Cognex ebenfalls eine Technik entwickelt, um das Verfalldatum auszulesen. Die Packungen werden von zwei Kameras fotografiert. Auf der Expopharm wurde von einer Erkennung von 79 Prozent aller Packungen gesprochen. Wie bei Rowa werden nicht erkannte Packungen trotzdem eingelagert. Das Verfalldatum kann dann in der EDV nachgetragen werden. Hierzu kann sich der Apotheker die Fotos am Bildschirm ansehen, auf denen das Datum in der Regel gut zu erkennen ist.

Bei Mach4/Omnicell werden die Packungen auf einem rotierenden Teller von allen Seiten abgelichtet. Die Vermaßung der Packung spielt dabei keine Rolle, was dem Kommissionierer laut Außendienst bei Änderungen des Packungsdesigns zugute kommt. Da auch der Automat K2-m von Pharmatechnik von Omnicell gebaut wird, gilt für ihn dasselbe.

Gollmann hat auf der Expopharm in München ebenfalls eine Lösung im Prototyp vorgestellt, die im ersten Quartal in der Apotheke verfügbar sein soll. Für Apostore gilt im Grunde dasselbe, auch wenn der Anbieter aus Gelsenkirchen von jedweder Kamera-Lösung im Grunde nicht überzeugt ist. Denn spätestens wenn im Rahmen von Securpharm zusätzlich die Chargennummer erfasst werden müsse, sei man auf den 2D-Code angewiesen, heißt es bei Apostore.

Eine Alternative zum Einlesen des Datums ist die Vergabe eines fiktiven Verfalldatums: Der Kommissionierer vergibt eine Resthaltbarkeit von sechs bis zwölf Monaten und lagert die Packungen zum Stichtag zur Kontrolle wieder aus. Diese Methode birgt jedoch die Gefahr der Überlagerung inklusive Retourenproblematik.

Denn abgesehen vom drohenden Ärger mit ihrer Aufsicht, können Apotheker auch viel Geld verlieren. Die Großhändler erstatten bei Kurzläufern nur mit Abschlägen, eine rechtzeitige Auslagerung ist beim Lagermanagement hilfreich. Gegenüber dem fiktiven Verfalldatum ist eine echte Erkennung deshalb zusätzlich von Vorteil, weil der Automat immer die Packung mit der kürzesten Restlaufzeit zuerst ausgibt.

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