Klohäuschen, Wohnwagen, Garage: Apotheken wappnen sich für den Ansturm

, Uhr aktualisiert am 20.12.2020 09:16 Uhr

Vorab schlecht informiert fühlt sich auch Dr. Friederike Friedrich-Harder, Inhaberin der Friedheim-Apotheke in Flensburg. „Wir sind vorab weder vom Verband noch von irgendeiner anderen Körperschaft informiert worden und warten immer noch auf eine offizielle Bekanntgabe der Verordnung“, sagt sie. „Als ich am Mittwochabend von der Aktion erfahren habe, ist mir erst einmal das Herz in die Hose gerutscht. Die Mail vom Verband kam dann Donnerstagmittag, bis dahin hatte ich schon mit zehn Kollegen telefoniert und geplant, wie wir die Bestellungen handhaben könnten.“ Es sei bereits geplant gewesen, gemeinsam Bestellungen aufzugeben, um das Risiko zu minimieren. „Wenn ich ab Dienstag tausende von Masken abgeben soll, muss ich die ja bestellen. Da wäre es schon gut gewesen, wenn jemand mal vorab ein Fax oder eine E-Mail geschickt hätte.“

Dass die Aktion trotz der noch nicht veröffentlichten Verordnung noch scheitern könnte, glaubt sie nicht. Also hat sie das Risiko getragen, genügend Masken zu kaufen, und die Apotheke für den erwarteten Ansturm gewappnet. Dazu hat sie, getrennt von den restlichen Kassen, einen eigenen Schalter eingerichtet, an dem unkompliziert und schnell abgegeben werden kann. Für Dienstag hat sie zwei Mitarbeiter ausschließlich für die Masken-Aktion eingeteilt. Denn auch sie rechnet mit einem großen Ansturm: „Das sprengt uns das Normalgeschäft. Wir haben ohnehin gerade schon mehr als sonst und jetzt gehen bundesweit 27 Millionen Menschen los, die kostenlose Maske wollen. Das sind 27 Millionen zusätzliche Kontakte. Wir werden streng darauf achten, dass wir die Hygieneregeln da richtig einhalten, denn es sind ja alles Risikopatienten.“

Dass die Maskenaktion bevorsteht, habe sie seit Donnerstag auch an einem anderen Phänomen gespürt: Es wurden in den vergangenen Tagen mehr FFP2-Masken gekauft als sonst. „Vermutlich haben die Leute die Befürchtung, dass es durch die kostenlose Abgabe erneut zu Engpässen kommen könnte“, schätzt sie. Und diese Beobachtung befeuert eine weitere Sorge, nämlich dass es aus Angst vor begrenzten Kapazitäten vor allem zu Beginn einen Ansturm gibt. „Wenn alle Kunden über die nächsten drei Wochen verteilt kommen, dann wird das schon knackig. Aber wenn die Hälfte direkt morgen vor der Tür steht, wird es ein Chaos.“ Dennoch, die Aktion sei trotz der unbefriedigenden Kommunikation im Kern absolut richtig, betont Friedrich-Harder: „Ich hoffe nur, dass die Politik sich danach nicht damit rühmt, wie gut das alles geklappt hat. Wenn es gut klappt, dann liegt das nur an der guten Arbeit der Vor-Ort-Apotheken.“

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