Feiertag, Brückentag, Wochenende

Entlassrezept: „Plötzlich stand sie ohne Arzneimittel da“

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Berlin -

Eine Patientin wurde am Tag vor Himmelfahrt aus dem Krankenhaus entlassen. „Mit Herzmedikamenten für genau einen Tag“, schildert Antonie Hansen ein Erlebnis aus der Mühlen-Apotheke in Neumünster. Dann kam der Freitag, danach Brückentag und schließlich das Wochenende. „Und plötzlich steht da ein Mensch ohne wichtige Medikamente. Frisch entlassen, nicht gut zu Fuß und verunsichert“, beklagt Hansen.

Die Patientin wurde im Krankenhaus auf neue Herzmedikamente eingestellt. „Auf dem Entlassrezept wurden diese für genau einen Tag verordnet“, erklärt Hansen. Das Problem: „Es war genau einen Tag vor Himmelfahrt.“ Es folgten ein Brückentag und das Wochenende. „Es waren folglich die Arztpraxen geschlossen.“

Zurück ins Krankenhaus

„Die Patientin stand plötzlich ohne wichtige Medikamente da. Frisch entlassen, nicht gut zu Fuß und verunsichert“, so Hansen. „In der Apotheke möchten wir helfen, aber ohne Rezept sind uns rechtlich die Hände gebunden“, macht sie klar. Für die Betroffene hieß es: „Zurück ins Krankenhaus. Sie musste sechs Stunden in der Anlaufpraxis zwischen vielen anderen Patienten warten. Und das nur, um an ein Rezept zu kommen“, beklagt Hansen. „Und genau das macht nachdenklich.“

Denn eigentlich können Krankenhäuser den Patienten zur Überbrückung von Feiertagen oder Wochenenden entweder die benötigten Medikamente direkt mitgeben oder ein sogenanntes Entlassrezept ausstellen. „Dieses kann ganz normal in der Apotheke eingelöst werden“, so Hansen.

Be- statt Entlastung

„Stattdessen entstanden aber Unsicherheit, unnötige Wege und stundenlange Wartezeiten für ohnehin geschwächte Menschen. Zudem sind die Bereitschaftspraxen oft überfüllt“, so die Apothekerin. „Wir sprechen oft über Entlastung im Gesundheitssystem. Aber wie viel Belastung entsteht eigentlich dadurch, dass Patienten ohne ausreichende Versorgung entlassen werden“, fragt sie.

Die Belastung entstehe nicht nur einseitig, sondern für die Betroffenen, für die Praxen, für die Notfallstrukturen und auch für Apotheken, die am Ende mit den Sorgen der Menschen direkt konfrontiert sind. „Das war heute kein Einzelfall. Und genau deshalb müssen wir darüber reden“, so Hansen, die das Thema auch auf ihrem Instagram-Kanal sichtbar macht. „Von vielen Menschen aus meiner Community wurde solch eine Situation auch schon erlebt.“

Gerüchte zur Abgabe

Die Patientin bekam schlussendlich ihre Medikamente. „Ich habe diese vorab für sie reserviert“, so Hansen. Sie kritisiert, dass es immer noch Gerüchte rund um die Abgabe von Medikamenten ohne Rezept gebe. „Viele sind der Meinung, dass Apotheken bei bekannter Dauermedikation und Stammkundenkartei, verschreibungspflichtige Arzneimittel auch ohne Rezept rausgeben dürfen. Das bringt uns im Alltag in diesen Situationen immer wieder an die Belastungsgrenze.“

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