Apotheker: Hustensaftverkäufe vervierfacht

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Berlin - Die Erkältungsprodukte stehen in vielen Apotheken noch aus der vergangenen Saison in den Regalen. In der Antonius-Apotheke im bayerischen Massing waren Grippemittel ein Ladenhüter – bis jetzt. Denn die Nachfrage steige „schlagartig“, sagt Inhaber Norbert Veicht. Der Apotheker erklärt sich den Anstieg unter anderem mit nachlassenden Abstandsregeln und hofft, dass sich mehr Menschen impfen lassen.

Nach einer ausgefallenen Erkältungssaison steigt die Nachfrage nach Grippemitteln. „Die Produkte stehen bei uns seit anderthalb Jahren“, sagt Veicht. Er habe keine neue Bestellung bei den OTC-Herstellern aufgeben müssen und habe die Ware für diese Saison aufgehoben. Die Nachfrage steige plötzlich vor allem nach Hustensaft, bereits im Juli deutete sich diese Entwicklung an. Zuvor wurden im Monat vielleicht drei Packungen verkauft, jetzt seien es 17 allein der Marke Prospan von Engelhard Arzneimittel. Auch Grippostad von Stada gehe gut. Bei Nasensprays sei der Anstieg weniger stark.

„Plötzlich haben wir bei den Erkältungspräparaten wieder Lücken in der Sichtwahl. Lange Zeit haben wir die Produkte nur abgestaubt“, so Veicht. Die aktuelle „Erkältungswelle“ oder Sommergrippe sei auch im Bekanntenkreis zu spüren – vor allem Kinder husteten und schnupften. Auch in seinen Testzeiten stellt der Apotheker bei den Testpersonen Veränderungen fest: „Ich sehe, dass beim Nasenabstrich deutlich mehr Sekret vorhanden ist.“

Der Apotheker hofft trotzdem, dass die nächste Erkältungswelle erneut flach verlaufen wird – vor allem mit Blick auf Covid-19. „Ich erwarte, dass die Leute vernünftig sind.“ Allerdings befürchte er, dass der Anstieg der Inzidenzwerte weiter gehen werde, da die Hygienemaßnahmen nicht mehr strikt eingehalten würden. „Die vierte Welle wird kommen.“ Veicht appelliert daran, wieder Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Zudem spricht er sich auch für die Covid-19-Impfung aus. Dass in seinem Team nur die Hälfte der Angestellten geimpft sei, sei bedauerlich. „Das macht mir große Bauchschmerzen, aber ich kann keinen zwingen und nur versuchen, zu überzeugen.“ Wer sich nicht für eine Impfung entscheide, werde sich ziemlich sicher infizieren, so Veicht. Generell sei die Impfquote im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn niedriger als im Bundesdurchschnitt. Laut Bundesgesundheitsministerium sind insgesamt knapp 60 Prozent vollständig geimpft.

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