Cannabis-Verdampfer

Retaxgefahr: Genehmigung unter Vorbehalt Nadine Tröbitscher, 15.02.2019 09:59 Uhr

Berlin - Russisch-Roulette im HV: Medizinalhanf aus der Apotheke ist seit 2017 Thema. Schmerzpatienten können die Blüten rauchen oder über einen temperaturgeregelten Vaporizer verdampfen und inhalieren, ohne die durch eine Verbrennung anfallenden Giftstoffe. Die dafür benötigten Hilfsmittel werden von den Kassen übernommen – eigentlich. Allerdings lassen sich die Kassen bei den erteilten Genehmigung ein Hintertürchen offen.

Apotheken, die bei der KKH einen Kostenvoranschlag für Cannabis-Verdampfer stellen, erhalten zwar eine Antwort, allerdings könnte man diese als „Pseudo-Genehmigung“ bezeichnen. Rechtssicherheit hat die Apotheke nämlich trotzdem nicht. Die Kasse teilt mit, die berechnungsfähigen Kosten für das Hilfsmittel „vorbehaltlich des Vorliegens einer gültigen Präqualifizierung“ zu übernehmen.

Da stellt sich die Frage, wofür sich die Apotheken präqualifizieren sollen, haben doch die Verdampfer wie der Mighty Medic oder der Volcano Medic, die von Wepa vertrieben werden, noch gar keine Hilfsmittelnummer und sind dementsprechend im Hilfsmittelverzeichnis noch gar nicht zu finden. Auch Vertragspreise nach § 127 Absatz 1 oder 2 Sozialgesetzbuch (SGB V) gibt es nicht. Der GKV-Spitzenverband nimmt die Produkte jedoch nur auf, wenn der Hersteller – im Falle von Mighty und Volcano Medic ist das Storz und Bickel – auch einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Dies ist bereits geschehen; die Antragsverfahren aus dem Jahr 2017 habe der Hersteller jedoch wieder zurückgezogen, teilt der GKV-Spitzenverband mit. „Daher ist in der Sache kein abschließender Bescheid ergangen. “

Möglicherweise könnten die Vaporizer der Produktgruppe 14: „Inhalations- und Atemtherapiegeräte“ zugeordnet werden. Die KKH ordnet den Vaporizern jedoch die 9971100000 mit der Bezeichnung „Verdampfer für Cannabisblüten“ und somit einer eigenen HiMi-Nummer zu, für die es faktisch keine Möglichkeit der Präqualifizierung gibt. Die KKH kennt das Problem und teilt dazu mit: „Da es für die Cannabis-Verdampfer bisher keine offizielle Hilfsmittelpositionsnummer gibt, hat die KKH eine Pseudo-Hilfsmittelpositionsnummer eingerichtet. Es ist zutreffend, dass es in der Produktgruppe 99 keine Präqualifizierungskriterien gibt. In der Folge brauchen die Apotheken auch keine Retaxierung/Absetzung durch den Abrechnungsdienstleister befürchten.“ Der Hinweis auf die gültige Präqualifizierung solle lediglich verhindern, dass Leistungserbringer eine Versorgung vornehmen, die aufgrund einer fehlenden Präqualifizierung einen Regress erhalten würden.

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