Rechtliche und pharmazeutische Aspekte

Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen

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Berlin -

Darf die Apotheke zwei Packungen Paracetamol 20 Stück für einen Kunden abgeben? Oder darf mehr als eine Packung der freiverkäuflichen PPI Pantoprazol und Omeprazol abgegeben werden, wenn der/die Kund:in wiederkehrend an Sodbrennen leidet?

In der Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) sind alle Wirkstoffe aufgeführt, die der Verschreibungspflicht unterliegen. Bei einigen Stoffen sind Ausnahmen der Verschreibungspflicht gelistet. So kann Paracetamol in Packungen mit bis zu 10 g Wirkstoff ohne Rezept abgegeben werden. In der Praxis entspricht dies meist der 20er Packung Paracetamol mit 500 mg je abgeteilter Einheit.

Was ist, wenn ein/e Kund:in zwei Packungen Paracetamol verlangt? Darf der/die Apotheker:in oder der/die PTA den Kundenwunsch bedienen? Ja, rein rechtlich darf die Menge von 10 g reinem Paracetamol durch die Abgabe von mehreren Packungen OTC-Paracetamol überschritten werden. Es wird nicht gegen die AMVV verstoßen. Verschreibungspflichtig wird das entsprechende Arzneimittel nämlich erst, wenn pro Packung die 10 g überschritten werden.

Vergiftungen vermeiden

Aber: Pharmazeutisch ergibt die Packungsgrößenbegrenzung Sinn. Paracetamol wird seit 2009 nur noch mit maximal 10 g Wirkstoff je Packung vertrieben. Im Rahmen des damaligen Nationalen Suizidpräventionsprogramms der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention wurde eine Reduzierung der Packungsgrößen für Paracetamol als sinnvoll erachtet. Es wurde auf positive Erfahrungen mit der Packungsgrößenbegrenzung in Großbritannien hingewiesen. In Großbritannien stellten Paracetamol- Überdosierungen den Hauptgrund für Leberversagen mit tödlichem Ausgang dar. Auch in Deutschland lagen Berichte über Suizidversuche mit dem Analgetikum vor.

Bei Erwachsenen ohne Vorerkrankungen und Risikofaktoren ist eine Dosierung ab 150 mg Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht (KG) potenziell gesundheitsschädigend.

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