Junge Menschen wähnt man bisweilen ausschließlich im Internet, wo sie sich informieren, austauschen und einkaufen. Bei der Gesundheitsversorgung zeigt eine aktuelle Umfrage von Pharma Deutschland ein anderes Bild: Besonders Menschen zwischen 20 und 29 Jahren sind demnach offen für Angebote zur Gesundheitsversorgung in Apotheken – insbesondere für das Impfen.
Der Verband hat im September 5000 Menschen gefragt, ob sie sich vorstellen können, bestimmte Angebote der Gesundheitsversorgung in Apotheken in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel die Durchführung von Impfungen, Blutuntersuchungen und DNA-Tests sowie Beratung zur individuellen Gesundheit, Ernährung, digitalen Geräten, Impfen, Rauchentwöhnung oder der eigenen Medikation.
Die Ergebnisse zeichnen laut Pharma Deutschland ein klares Bild: Die Menschen in Deutschland wollen Apotheken künftig noch stärker als niedrigschwellige Gesundheitsdienstleister nutzen. „Die Menschen wollen ihre Apotheke nicht nur für die Arzneimittelversorgung, sondern auch für Impfungen, Beratung und einfache Gesundheitschecks nutzen. Genau deshalb ist die Apothekenreform so wichtig“, sagt Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. Die Apothekenreform gebe den Apotheken mehr Möglichkeiten, ihre Kompetenz dort einzusetzen, wo sie für Patientinnen und Patienten besonders gut erreichbar sei: vor Ort, niedrigschwellig und fachlich fundiert.
Besonders junge Menschen zeigen sich überdurchschnittlich interessiert an den Angeboten der Apotheken: 46 Prozent können sich vorstellen, sich in der Apotheke zu Impfungen beraten und auch impfen zu lassen. Zum Vergleich: Bei allen Befragten lag dieser Anteil bei 33 bzw. 36 Prozent.
Großes Interesse an den Apothekenleistungen zeigten in der Umfrage Studierende und Auszubildende: 73,2 Prozent der Studierenden und 56,6 Prozent der Auszubildenden können sich demnach vorstellen, sich in der Apotheke impfen zu lassen. Bei den Auszubildenden gab es mit mehr als 60 Prozent auch ein besonders großes Interesse an individueller Gesundheitsberatung und Beratung zu Impfungen in Apotheken.
Allerdings kaufen die Unter-30-Jährigen seltener in Apotheken ein. Insgesamt gaben 49 Prozent der Befragten an, rezeptfreie Arzneimittel am liebsten in der Apotheke vor Ort einzukaufen – bei den 20- bis 29-Jährigen waren es 46 Prozent. Damit sind die Vor-Ort-Apotheken zwar auch bei ihnen die beliebteste Bezugsquelle, aber sie sind auch offen für Versandapotheken (23 Prozent) und Drogeriemärkte vor Ort (13 Prozent).
Allerdings gaben in allen anderen Altersklassen mehr Befragte an, bevorzugt online in Versandapotheken einzukaufen: Am beliebtesten sind Versandapotheken bei den 40- bis 49-Jährigen (29 Prozent). Sie kaufen rezeptfreie Arzneimittel auch überdurchschnittlich gern auf Online-Marktplätzen wie Amazon ein (8 Prozent).
Pharma Deutschland sieht durch die Umfrage die zentralen Ziele der Apothekenreform bestätigt: Apotheken sollten ihre wohnortnahe pharmazeutische Kompetenz künftig noch stärker in Prävention, Beratung und weitere Gesundheitsleistungen einbringen können.
Die Umfrage zeige zudem, dass die Erwartungen nicht auf Impfungen begrenzt seien: 30 Prozent interessierten sich für Blutuntersuchungen, 29 Prozent für die Analyse ihres persönlichen Medikationsplans, 26 Prozent für eine individuelle Gesundheitsberatung und 21 Prozent für eine individuelle Ernährungsberatung in der Apotheke. Fast jeder Fünfte kann sich DNA-Tests etwa zu Krankheitsrisiken vorstellen.
„Die Ergebnisse unterstreichen, dass Apotheken in den Augen der Kundinnen und Kunden weit mehr sind als reine Abgabestellen für Arzneimittel“, so das Fazit bei Pharma Deutschland. „Sie verbinden die sichere Arzneimittelversorgung mit persönlicher Beratung, Prävention und Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die flächendeckende Präsenz der Apotheken, der direkte Zugang ohne lange Wartezeiten und die pharmazeutische Expertise machten sie zu einem unverzichtbaren Teil der Gesundheitsinfrastruktur.
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